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Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Wifr_Sohn_des_Farrag Wifr, Sohn des Farrag
© 22.11.2019 C Seite 1/2

Vorwort Abkürzungsverzeichnis Personenregister Orts- und Sachregister

Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches

NPi I: Introduction NPi II a: Main part a NPi II b: Main part b NPi III: Conclusion

ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.

ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen


Wifr, Sohn des Farrag*
[ŠKZ III 21]


B:
ŠKZ: mpI 30: wyply ZY pldk'n = Wifr ī Farragān; paI 24: wyprd prdkn = Wifr Farragān; grI
58:    - Übers.: mp. und pa. Wifr, den Sohn des Farrag; gr. Wifr, den
(Sohn) des Farrag.


P:
Wifr1, Sohn des Farrag, lebte zur Zeit →Ardašīrs I. (224 - 239/40; † 241/42). Sowohl
seine Zugehörigkeit zum Hofstaat des Großkönigs als auch sein 21. Rang unter 31
Würdenträgern kann als Auszeichnung gelten. Das Patronymikon Farragān, das als
einziger Hinweis zu seiner Person vorliegt, ermöglicht es, Wifrs Stellung besser be-
schreiben zu können.
Der Name der Familie Farragān kommt an drei Stellen der Šābuhr-Inschrift vor: zum
Hofstaat König Pābags gehörte an bevorzugter zweiter Stelle ein →Farrag, Sohn des
Farrag [ŠKZ II 2]; der zweite Angehörige dieser Familie ist der hier besprochene Wifr,
Sohn des Farrag; aufschlußreich für die Bewertung der Familie Farragān ist jedoch
die dritte Erwähnung. Es wird berichtet, dass →Sāsān 2 [ŠKZ IV 6], ein Prinz der
Königsfamilie, zur Zeit →Šābuhrs I., der Familie Farragān zur Erziehung anvertraut
wurde. Nach der Tradition des iranischen Königshauses war es Sitte, Prinzen und
Nachkommen des Adels in angesehenen Familien erziehen zu lassen. Dass die
Farragān jedoch nicht zu den ersten Familien des Sāsānidenreiches gehörten, wie
die der Wārāz, Sūrēn, Andēgān und Kārin, zeigt schon ihre Plazierung im Hofstaat
Ardašīrs I. Hier nehmen sie die Ränge III 10 - 14 ein, während Wifr, Sohn des Farrag,
sechs Plätze hinter ihnen auf Rang 21 steht. Nichtsdestoweniger müssen die Be-
deutung und das Ansehen dieser Familie groß gewesen sein. Man darf sogar an-


* 2007. - Überarb. 2019.
1 Zum Namen: In der mittelpersischen und parthischen Version der Šābuhr-Inschrift findet sich die
korrekte Namensform des Würdenträgers: Wifr, Sohn des Farrag; in der griechischen Version aber ist
dem Schreiber ein Fehler unterlaufen, indem er das Patronymikon dem Namen anglich:
    Zur sprachwissenschaftlichen Diskussion s. Ph.Gignoux, Glossaire des
inscriptions pehlevies et parthes (1972) 36; 67. - id., Noms propres sassanides en moyen-perse
épigraphique (1986) 182, Nr. 997. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 142f.; 125f. [§ 40.3]. - R.Schmitt,
Personennamen in parthischen epigraphischen Quellen (2016) 225-226, Nr. 545.
2 s. dazu den Artikel Sāsān, Prinz, der (im Hause) Farragān Erzogene [ŠKZ IV 6] in dieser Prosopo-
graphie.
Wifr, Sohn des Farrag
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nehmen, dass die Familie Farragān dem Adel zuzurechnen ist3, andernfalls wäre ein
Prinz aus königlicher Familie ihr wohl kaum zur Erziehung anvertraut worden. Fest
steht, dass die Farragān über Jahrzehnte hinweg dem sāsānidischen Königshaus
nahestanden und ihre Kraft in den Dienst des Reiches gestellt haben. Ihre Herkunft
aus der Persis, dem Stammlande der Sāsāniden, dürfte im Hinblick auf Farrag, Sohn
des Farrag, ebenfalls gesichert sein. Es ist weiterhin anzunehmen, dass Wifr, ein
Nachkomme dieses Farrag, Sohn des Farrag, ist.


L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften [SSI]. Leiden, Téhéran 1978. (Acta Iranica.18.) -
Ph.Huyse, Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Kaʻba-i Zardušt (ŠKZ). Bd 1-2. London
1999.(Corpus Inscriptionum Iranicarum. P. III, 1,1, 1-2.)

Name:
Ph.Gignoux, Glossaire des inscriptions pehlevies et parthes. London (1972) 36; 67.(Corpus
Inscriptionum Iranicarum. Supplementary Series.I.) - id., Noms propres sassanides en moyen-perse
épigraphique. Wien (1986) 182, Nr. 997. (Iranisches Personennamenbuch.II,2). - Ph.Huyse, Die
dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Kaʻba-i Zardušt (ŠKZ). Bd 2. London (1999) 142f.; 125f. [§
40.3]. (Corpus Inscriptionum Iranicarum. P. III, 1,1, 2.) - R.Schmitt, Personennamen in parthischen
epigraphischen Quellen. Wien (2016) 225-226, Nr. 545.(Iranisches Personennamenbuch. II,5.)
(Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 881.)(Iranische
Onomastik.15.)

Familie:
M.-L.Chaumont, Pāpak, roi de Staxr, et sa cour. In: Journal Asiatique 247(1959) 175-191; hier 181. -
V.G.Lukonin, Political, Social and Administrative Institutions, Taxes and Trade. In: Cambridge History
of Iran 3(2)[1983] 702f. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 152. - R.Gyselen, The Great Families in the
Sasanian Empire: Some Sigillographic Evidence. In: Current Research in Sasanian Archaeology, Art
and History. Proceedings of a Conference held at Durham University, November 3rd and 4th, 2001. Ed.
by D.Kennet, P.Luft. Oxford (2008) 107-113. (British Archaeological Reports. International Se-
ries.1810.)

3 R.Gyselen, The Great Families in the Sasanian Empire: Some Sigillographic Evidence (2008) 107-
113; hier 107 und Anm. 6.