Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Narseh_Prinz_Sasans
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Vorwort Abkürzungsverzeichnis
Personenregister Orts- und Sachregister
Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches
NPi I: Introduction NPi II a: Main part a NPi II b: Main part b NPi III: Conclusion
ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.
ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen
Narseh, Prinz [wispuhr], Sohn des Sāsān
[NPi II a: § 16; II a 5: § 32]
B:
NPi [S. 33, § 16]: mpI B 13,01: W nlsh[y Z]Y B(L)BYTA ZY s[<s<nkn; paI a 17,05:
W nrysh[w --
-------------------------]. - Übers.: And Narseh the Prince, son of Sāsān.P:
Prinz Narseh
1
, Sohn Sāsāns
2
, ist allein durch die ca. 293 n.Chr.
3
errichtete Pāikūlī-
Inschrift bekannt geworden. Diese Inschrift berichtet als einzige Quelle von den
schweren Auseinandersetzungen im Sāsānidenreich um die Nachfolge →WahrāmsII. Gleichzeitig spiegelt sie auch die innere Zerrissenheit des Reiches wider, die
sowohl den Adel als auch das sāsānidische Königshaus in zwei Lager spaltete
4
.
Dem Protokoll der Šābuhr-Inschrift entsprechend findet sich auch in der Pāikūlī-
Inschrift die gleiche Rangordnung: Nach den Mitgliedern der Königsfamilie
5
, dem
hargbed →Šābuhr [NPi II a 3], den Prinzen →PērŌz
[NPi II a 4] und →Narseh [NPi
II a 5], und dem Vizekönig →Pābag [NPi II a 6], folgen die Vertreter der ange-
sehensten Familien des Reiches, ferner weitere Würdenträger, Vasallenkönige und
Herrscher lokaler Fürstentümer. In den beiden Personenlisten des Hauptteils a der
Pāikūlī-Inschrift nimmt Prinz Narseh den zweiten (Liste 1 in § 16) bzw. den dritten
Rang (Liste 2 in § 32) ein. Narsehs 3. Rang in dieser Liste ergibt sich dadurch, daß
→Prinz PērŌz [ŠKZ I 15; NPi II a 4], Sohn des Königs →Šābuhr von Mēšān [ŠKZ I
3], in der ersten Liste aus heute unerklärbaren Gründen nicht berücksichtigt worden
war.

1
F.Justi, NB (1895) 221-225. - M.Back, SSI (1978) 237, Nr. 228a. - Ph.Gignoux, Noms propres sas-
sanides en moyen-perse épigraphique (1986) 134, Nr. 678. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 110 Anm. 182.
2
F.Justi, ibid. (1895) 291. - M.Back, ibid. (1978) 256, Nr. 300a. - Ph.Gignoux, ibid. (1986) 156f., Nr.
827. - Ph.Huyse, ibid. (1999) 115.3
P.O.Skjaervø, NPi 3.2(1983) 13. - W.Sundermann, Studien zur kirchengeschichtlichen Literatur der
iranischen Manichäer III (1987) 58.
4
Zu den Thronstreitigkeiten um die Nachfolge →Wahrāms II. s. den Artikel →Ādur-FarrŌbay, König
von Mēšān [NPi II b 3], Parteigänger īWahrāms III. und Gegner König īNarsehs [ŠKZ I 4].
5
Zur besseren Orientierung s. im Anhang: Pāikūlī-Inschrift S.7: Protokollarische Rangfolge in der
PāikŌl-Inschrift [Übersicht].
2
Über Narsehs Stellung und Tätigkeit am Hofe des gleichnamigen Großkönigs sind
keine Nachrichten bekannt. Daß Narseh aber zur großköniglichen Familie gehörte,
beweist sein Prinzentitel: das Aramäogramm BLBYTA. Wie nah Prinz Narsehs
verwandtschaftliche Beziehungen zum sāsānidischen Königshaus in Wirklichkeit
waren, läßt sich jedoch nicht mehr ermitteln, da er allein in der Pāikūlī-Inschrift -
allerdings an zwei Stellen - erwähnt wird
6
. Ein weiteres entscheidendes Merkmal
seiner Person ist sein Patronymikon, das ihn als Sohn Sāsāns beschreibt. Wer aber
ist dieser Sāsān? Zwei Prinzen können als Vater des Narseh in Frage kommen.
Diese sind durch die Šābuhr-Inschrift bekannt und weisen im Hofstaat →Šābuhrs I.
auf den Rängen sechs und sieben eine ausgesuchte Plazierung auf
7
: sie zeichnen
sich ferner dadurch aus, daß sie außerhalb ihres Elternhauses bei den Familien der
Farragān und Kadugān erzogen wurden, wie es bei Nachkommen aus königlicher
Familie in Iran Tradition war. Welcher der beiden Prinzen der Vater des Narseh sein
könnte, läßt sich leider nicht klären. Der zeitliche Abstand von ca. 30 Jahren, der
zwischen der Aufstellung der Šābuhr- und Pāikūlī-Inschrift liegt, und auch die Zuge-
hörigkeit zur großköniglichen Familie dürften für eine verwandtschaftliche Beziehung
zwischen Narseh und einem der beiden Prinzen sprechen.
L:
Quellen:
NPi: E.Herzfeld, Paikuli. Monument and inscription of the early history of the Sassanian empire. Bd.
1-2. Berlin 1924. - H.Humbach/P.O.Skjaervø, The Sassanian Inscription of Paikuli [NPi]. P. 1-3.
Wiesbaden 1978-83. - id., NPi 3.2(1983) 13. - W.Sundermann, Studien zur kirchengeschichtlichen
Literatur der iranischen Manichäer. In: AltorF 14(1987) 58.
Name:
Personenname:
F.Justi, Iranisches Namenbuch. Marburg (1895) 221-225. - Repr. Hildesheim 1963. - E.Benveniste,
Titres et noms propres en Iranien ancien. Paris (1966) 23-25. (Travaux de l"Institut d"Etudes Iranien-
nes de l"Université de Paris.1.) - M.Back, SSI (1978) 237, Nr. 228a. - Ph.Gignoux, Noms propres
sassanides en moyen-perse épigraphique. Wien (1986) 134, Nr. 678.(IPNB II, 2.) - Ph.Huyse, ŠKZ
2(1999) 110 Anm. 182.
Patronymikon:
F.Justi, ibid. (1895) 291. - Repr. Hildesheim 1963. - M.Back, ibid. (1978) 256, Nr. 300a.-
Ph.
Gignoux, ibid. (1986) 156, Nr. 827. - Ph.Huyse, ibid. 2(1999) 115.
Titel:
E.Benveniste, Titres et noms propres en iranien ancien. Paris (1966) 23-25. (Travaux de l"Institut
d"Etudes Iraniennes de l"Univ. de Paris.1.) - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 119f.

6
s. im Anhang: Protokollarische Rangfolge in der Pāikūlī-Inschrift. [Übersicht]: II. Main part a: § 16: 1.
Personenliste; § 32: 2. Personenliste.
7
→Sāsān, Prinz, der (im Hause) Farragān Erzogene [ŠKZ IV 6] und →Sāsān, Prinz, der (im Hause)
Kadugān Erzogene [ŠKZ IV 7].