Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Hamazasp
1
Vorwort Abkürzungsverzeichnis
Personenregister Orts- und Sachregister
Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches
ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.
ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen
(H)amāzāsp, König [šāh] von Iberien [ŠKZ IV 4]
B:
ŠKZ: mpI 30/31: <mcspy wlwc<n MLKA = (H)amāzāsp Wiruzān šāh; paI 25: hmz<sp wyršn MLKA =
(H)amāzāsp WirŽān šāh; grI 60: ??????????? ???? ????????? ???? ????????? Übers.:
(H)amāzāsp, den König von Iberien (in allen drei Versionen der Inschrift). -
Parthischer Text M 216 b, Z. 11: hbz< wrwc<n š[<h w<xt], HBZA, the Waručān-Š[āh said: ... Zeile
15: hbz< p[ ... .. HBZA ... Aus: W.B.Henning, Waručān=Šāh. In: Journal of the Greater India Society
11(1945) 86, 3; 86,15. - Ebenf. abgedr. in: Selected Papers. Leiden, Teheran (1977,2) 225-30.
(AcIr.15.)
Parthischer Text M 2230, Zeile 6: kd hbz< dyd <b(.)[... Als Hbz< <es> sah, [ Aus:
W.Sundermann, Mitteliranische manichäische Texte kirchengeschichtlichen Inhalts. Berlin
(1981)24f.(Schriften zur Geschichte und Kultur des Alten Orients. Berliner Turfantexte.XI.)
Zwei neue griechische Inschriften aus Georgien1
:
Inschrift I: .../ ????????? ?????? / ??????? ??????? ??? / ????????? ???????? / ???????? ???????? /
??? ??????????? ?? / ???????
?

?
?
?
?????? / <?>??? ???? ??????<?>? / ??? ???????? ???????? / ???
Übers.: To ... (?daughter) ... of (...? king) Vologaeses (?...) of Armenia, and wife of Amazaspus, king
of Iberians, great, Anagranes the foster-father (????????) and steward (??????????) with his own resour-
ces dedicated the bath-building.
Inschrift II: ...[????] / ????? [?????]?????? [???]????[? ??? ????] / ?????[? ???? ??]????[<?>? ?
??? ???]????? ???????? / ???? ??????? / ??????????? ??? / ????(?)? ????????????
Übers.: ... of ... king, Anagranes foster-father and steward with his own resources having fitted out
(?) the bath-building (?) for his own nurtured Drakontis, queen, dedicated (it).P:
König (H)amāzāsp
2
von Iberien steht auf dem vierten Rang innerhalb der langen
Liste von 67 Würdenträgern am Hofe →Šābuhrs I. Ihm voran gehen die Könige →

1
Zuerst herausgegeben von T. Qaukhchishvili s. Literaturverzeichnis; hier vorgestellt nach D.Braund,
Anagranes the ???????: the court of Caucasian Iberia in the second-third centuries AD. In: Autour
de la mer Noire. Hommage à Otar Lordkipanidzé. Editeurs: D.Kacharava, M.Faudot et E.Geny (2002)
23-34.2
Zum Namen (H)amāzāsp s. F.Justi, NB (1895) 124f. - H.Hübschmann, Armenische Grammatik. 2.
unveränd. Nachdr. (1972) 47, Nr. 94. - M.Back, SSI (1978) 181f. - Ph.Gignoux, Noms propres Sas-
sanides en moyen-perse épigraphique (1986) 95, Nr. 428. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 150f. -
2
Ardašīr von Adiabēnē (ŠKZ IV 1], → Ardašīr
von Kermān [ŠKZ III 3 und IV 2]
3
und
die Königin →Dēnag von Mēšān [ŠKZ IV 3], die "dastgerd" Šābuhrs. Auf
(H)amāzāsp, der die Reihe der Würdenträger im Königsrang beschließt, folgen 5
Prinzen, der Bidexš (Vizekönig) und 56 hohe Würdenträger im Hofstaats Šābuhrs I.
In der mittelpersischen und parthischen Version der Šābuhr-Inschrift trägt
(H)amāzāsps Königreich den Namen Wiruzān bzw. WirŽān, in der griechischen
Übersetzung heißt es ????????
4
?
Namentlich bekannt geworden ist König (H)amāzāsp von Iberien erst durch die drei-
sprachige Šābuhr-Inschrift. Über seine historische Bedeutung oder über die Gründe,
die ihn zu der hohen Ehre gelangen ließen, in den Rechenschaftsbericht Šābuhrs I.
aufgenommen und mit einem Opfer bedacht zu werden, gibt es keine Nachrichten
5
.
Unter den 25 Ländern, die in der Šābuhr-Inschrift (ŠKZ) aufgezählt werden, rangiert
Iberien/Wiruzān an 10. Stelle; ihm vorangestellt ist Armenien; nachgeordnet finden
sich in unmittelbarer Nachbarschaft Sīgān/Machelonien
6
(11.Rang), Albanien
(12.Rang) und Balāsagān (13.Rang). Es fällt auf, daß im Hofstaat Šābuhrs I. die
Vertreter der an Iberien angrenzenden Länder, der von Sīgān/Machelonien, Alba-
nien und Balāsagān, fehlen. Es ist König (H)amāzāsp allein, dem diese Ehre wider-
fährt und der zu den Ersten des Sāsānidenreiches gehört.
Der berühmte mowbed →Kerdīr [ŠKZ IV 51] zählt in seinen Inschriften Iberien neben
Syrien, Kilikien, Kappadokien, Armenien, Albanien und Balāsagān
7
zu den Gebieten
Anērāns, auf die sich seine missionarische Tätigkeit außerhalb Irans ausdehnte.
Daraus ist zu folgern, daß Iberien in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts nicht nur in

W.B.Henning [A Sassanian Silver Bowl from Georgia (1961) 355 Anm.2] macht auf den parthischen
Namen aufmerksam.
3
Daß es sich bei diesem König Ardašīr von Kermān um den gleichnamigen König im Hofstaat
Ardašīrs I. handelt, ist anzunehmen; nach
$abarīs Zeugnis setzte Ardašīr I. nach dem Sieg über →
Balāš, König von Kermān, seinen Sohn gleichen Namens als König in dieser Provinz ein
(Th.Nöldeke, Tabari [1879] 10). - Zur Person des Königs Balāš s. O.M.Čunakova in ihrer Textedition
und Übersetzung des Kārnāma ī Ardašīr ī Pābagān hier Ardašīr, König von Kermān Anm. 5.
4
Zum Namen Iberiens s. Ph.Gignoux, Glossaire (1972) 36: mp. wlwc<n = Virzān (Géorgie); 67: pa.
wyršn = VirŽān. - M.Back, SSI (1978) 271. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 22f. -
Die Identifizierung von <byr<n in der Pāikūlī-Inschrift [s. H.Humbach/P.O.Skjaervø, NPi 3.1(1983)71 =
44 H 15,03: <byr<n MLKA = König von Iberien; 3.2(1983) 126] mit gr. ??????? wird P.O.Skjaervø (a.O.)
und E.Kettenhofen [Tirdād und die Inschrift von Paikuli (1995) 22] verdankt. Zu diesem Problem s.
den Forschungsstand bei Ph.Huyse, a.O. 2(1999) 22; vordem war König (H)amāzāsp von
J.Markwart, Ērānšahr (1901) 31 als Abīrān malkā (als König der Abhīras) und von E.Herzfeld, Paikuli
1(1924) 126 als Abírán šáh (im indischen Teil von Sakastān) bezeichnet worden.
5
Die Annahme R.N.Fryes [Notes on the early Sassanian State and Church (1956) 335: Appendix II]
und P.O.Harper/P.Meyers' [Silver Vessels of the Sasanian period 1(1981) 16], daß König
(H)amāzāsp Mitglied der sāsānidischen Königsfamilie gewesen sei, entbehrt jeglicher Grundlage.
Auch M.-L.Chaumont [Etats vassaux (1975) 104] hält es nicht für unwahrscheinlich, daß (H)amāzāsp
sich durch Heirat mit der Königsfamilie verbunden haben könnte. Dagegen sprach sich A.Maricq [Res
Gestae Divi Saporis (1958) 335] gegen eine verwandtschaftliche Verbindung zur sāsānidischen Kö-
nigsfamilie aus. - Nach E.Kettenhofen [a.O. (1995) 22 und Anm.145] kann (H)amāzāsp schon auf
Grund seines parthischen Namens nicht ein Sohn Ardašīrs I. gewesen sein. - Welche Bedeutung
aber dem König (H)amāzāsp von Iberien im Vergleich zu den anderen Königen seiner Region zuzu-
billigen ist, hebt D.Braund eigens hervor [Georgia in antiquity (1994) 240]: "The Status of the king of
Iberia in the Sassanian empire is not to be underestimated: he was at the top of society, one of the
shahrdaran".
6
Zum Problem Sīgān/Machelonien s. Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 23-24.
7
M.Back, SSI (1978) 426.
3
politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht unter sāsānidischem Einfluß stand.
Die Inschrift von Pāikūlī erwähnt einen König von Iberien, jedoch ohne Angabe des
Namens; dieser hatte sich bei den Kämpfen um die Nachfolge Wahrāms II. auf die
Seite des späteren Großkönigs →Narseh [ŠKZ I 4]gestellt
8
. Auch unter Narseh kann
der König von Iberien seine herausragende Stellung im Reich bewahren; er er-
scheint in der ersten Liste der Würdenträger der Pāikūlī-Inschrift, während die zweite
Liste den weniger bedeutenden Würdenträgern vorbehalten war.
Welche Gründe haben Šābuhr I. wohl veranlaßt, dem König (H)amāzāsp von Iberien
den vierten Rang in seinem Hofstaat einzuräumen? Trotz seines kleinen und außer-
halb des iranischen Kernlandes liegenden Gebietes muß (H)amāzāsp für Šābuhr I.
von herausragender Bedeutung gewesen sein. Das seit etwa 400 v.Chr. bestehende
Königreich Iberien
9
mit der Hauptstadt Armazi bzw. MÂAEe'a lag zwischen dem
Schwarzen und dem Kaspischen Meer, im Zentrum Südkaukasiens, etwa im heuti-
gen Ostgeorgien. Es handelt sich bei den Iberern um ein Bergvolk, das kulturell im
Einflußbereich Irans lag und politisch kaum eine herausragende Rolle spielte. Im
ersten Jahrhundert v.Chr. verlor es dann seine Selbständigkeit, als Pompeius im 3.
mithridatischen Krieg (65/64 v.Chr.) auch Iberien eroberte und es zum römischen
Klientelstaat machte. Nach dem weiteren Vordringen der Römer in den vorderasiati-
schen Raum und den Auseinandersetzungen mit den Parthern verblieb Iberien im
römischen Einflußbereich, auch wenn es für das Königreich schwierig war, sich zwi-
schen den beiden mächtigen Reichen zu behaupten. Iberiens eigentliche Bedeu-
tung lag nicht so sehr auf politischer Ebene, sondern war durch seine geostrategi-
sche Lage begründet. Im Kriegsfall würde Iberien bei den römisch-parthischen, bzw.
römisch-sāsānidischen Auseinandersetzungen eine entscheidende Rolle zufallen: es
war imstande, die Kaukasuspässe zu kontrollieren und seinem Oberherrn tatkräftige
Unterstützung zukommen zu lassen. Darüberhinaus bildete Iberien wegen seiner
militärisch-strategischen Lage ein Bollwerk gegen die drohenden Einfälle der Step-
penvölker aus dem Norden. Roms Präsenz in Iberien gab auch den anderen
Bergvölkern im Süden des Kaukasus Schutz vor dem Vordringen der Parther
10
. Von
daher brachte die römische Präsenz in dieser südlichen Kaukasusregion auch wirkli-
che Vorteile für die anliegenden Bergvölker. Nur durch die Unterwerfung Iberiens
unter die Vorherrschaft Roms war der König in der Lage gewesen, seine Selbstän-

8
H.Humbach/P.O.Skjaervø, NPi 3.1(1983) 71: H 15,03; 3.2(1983) 126: <byr<n MLKA. Auffallend ist die
Übernahme des griechischen Ländernamens in den mittelpersischen Sprachgebrauch.
9
Zur geographischen Lage Iberiens s. E.Kettenhofen, Römer und Sāsāniden in der Zeit der Reichs-
krise 224-284 n.Chr. Wiesbaden 1982. TAVO - Karte B V 11. - id., Das Sāsānidenreich. Wiesbaden
1993. TAVO - Karte B VI 3. - D.Braund, Georgia in antiquity (1994) 40ff., ferner Karte 1; 152ff.; 239ff.
- R.H.Hewsen, The Geography of Ananias of Širak (1992) 128-31. - J.Markwart, Iberer und Hyrka-
nier. In: Caucasica 8(1931) 78-113. - H.Treidler, Iberia. In: RE Suppl. IX(1962) 1899-1911. - M.-
L.Chaumont, Conquêtes Sassanides et propagande mazdéenne (1973) 684-706. - ead., Etats
vassaux dans l"empire des premiers Sassanides (1975) 99-108. - E.Kettenhofen, Die römisch-persi-
schen Kriege des 3.Jh. n.Chr. (1982) 42f. und Anm. 100. - E.Winter, Die sāsānidisch-römischen
Friedensverträge des 3. Jh.n. Chr. (1988) 186-90. - R.Gyselen, La Géographie administrative de
l"empire Sassanide (1989) 80 und Fig. 7 (Karte). - E.Kettenhofen, Tirdād und die Inschrift von Paikuli
(1995) 22f. -
10
Zur geostrategischen Lage Iberiens in der umstrittenen Kaukasusregion s. E.Winter, Handel und
Wirtschaft in Sāsānidisch - (Ost-)Römischen Verträgen und Abkommen. In: MBAH 6(1987) 48. - id.,
Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge (1988) 187.
4
digkeit im eigenen Land zu bewahren. Diese Politik war eine Voraussetzung für
seine Stellung als Satelliten- oder Klientelkönig.
Welche Ereignisse haben dann aber dazugeführt, daß Iberien plötzlich einen politi-
schen Seitenwechsel vornahm? Grundlage für das Umschwenken auf die persische
Seite war die Eroberung Armeniens durch Šābuhr I. im Jahre 252 n.Chr.
11
und daran
anschließend wohl auch der angrenzenden kaukasischen Länder Iberien, Sī-
gān/Machelonien, Albanien und Balāsagān
12
, wie sie in derselben Reihenfolge in der
großen Šābuhr-Inschrift und in den Kerdīr-Inschriften aufgezählt werden. Auch wenn
keine genauen Angaben über den Hergang der Eroberung vorliegen, so darf doch
wohl angenommen werden, daß der am Hofe Šābuhrs I. in hohem Ansehen ste-
hende (H)amāzāsp sich an der Seite des sāsānidischen Königs große Verdienste
erworben haben muß. Auffallend ist, daß die Vertreter der benachbarten Länder Sī-
gān/Machelonien, Albanien und Balāsagān in der Liste der Würdenträger am Hofe
Šābuhrs I. nicht auftreten. Es ist nicht möglich, im einzelnen zu klären, wie aus dem
römischen Vasallenstaat Iberien ein sāsānidischer wurde. Hat sich (H)amāzāsp dem
Sāsānidenkönig kampflos ergeben
13
oder hat er schon bei der Eroberung Armeniens
auf sāsānidischer Seite gekämpft? Fest steht allein (H)amāzāps herausragende
Stellung am persischen Hofe als Vertreter eines Vasallenstaates. Von daher kann
"von einer prorömischen Einstellung des iberischen Königs nach der Gefangen-
nahme Valerians"
14
, wie C.Toumanoff
15
behauptet, nicht die Rede sein. Toumanoffs
These stützt sich allein auf fragwürdige Berichte in der Vita des Kaisers Valerian
(von Trebellius Pollio), in der Historia Augusta. Danach sollen die Baktrer, Hiberer,
Albaner und Tauroskythen den römischen Generälen versprochen haben, bei der
Befreiung Valerians aus sāsānidischer Gefangenschaft Hilfe zu leisten; ferner, so
folgert Toumanoff auf Grund einheimischer Tradition, könnte Šābuhr I. dem prorö-
misch eingestellten König Mithridates II. von Iberien in der Person des (H)amāzāsp
(hier als 3. Herrscher seines Namens) einen Gegenkönig entgegengesetzt haben.
Andererseits hält Toumanoff es auch für möglich, Mithridates II. mit (H)amāzāsp
gleichzusetzen. Dies sind Hypothesen, die wegen mangelnder Beweise nicht verifi-
ziert werden können. Festzustellen ist, daß weder eine prorömische Einstellung ei-
nes iberischen Königs noch die Einsetzung eines Gegenkönigs in Iberien durch
Quellen zu belegen sind.
Nahezu 46 Jahre, nachdem Iberien sāsānidischer Vasallenstaat geworden war,
sollte sich die politische Situation wiederum verändern. Grundlage für den erneuten

11
M.Chaumont, L"Arménie entre Rome et l"Iran (1976) 176. - ead., Conquêtes sassanides (1973)
684ff. - E.Kettenhofen, Die römisch-persischen Kriege (1982) 38ff.
12
M.-L.Chaumont, Etats vassaux (1975) 101. - ead., Armenia and Iran. II. The pre-Islamic period.
5.The Sasanian period I: Armenia between Rome and Iran, a) Armenia as a Sasanian province. In:
EncIr II(1987) 426. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 21.
13
So befürwortend M.-L.Chaumont, Recherches sur l"histoire d"Arménie de l"avènement des Sassa-
nides à la conversion du royaume (1969) 67. - ead., Conquêtes sassanides (1973) 687. - E.Winter,
Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge (1988) 188f.
14
s. E.Kettenhofen, Tirdād und die Inschrift von Paikuli (1995) 22f. mit einer umfassenden Übersicht
über die armenische Forschungsliteratur und einer kritischen Beurteilung der Historia Augusta. - id.,
Die römisch-persischen Kriege (1982) 41ff.
15
SHA, Val. II(1965) 1ff.; 4. - Repr. 1971. - C.Toumanoff, The third-century Armenian Arsacids
(1969) 255f.; - id., Chronology of the early kings of Iberia (1969) 18f.: 20. Mithridates /Mihrdat II
(249-65); 20a. Amazaspus/Khamazasp III, anti-King (260-65)]. - Die an dieser Stelle zur Beweis-
führung von C.Toumanoff herangezogene Historia Augusta kann als zuverlässige Quelle nicht be-
trachtet werden.
5
Seitenwechsel war nicht der selbständige Entschluß des iberischen Königs, sondern
Narsehs militärische Niederlage und der Friedensvertrag von Nisibis im Jahre
297/298 zwischen dem persischen Großkönig Narseh und dem römischen Kaiser
Diokletian. Nach dem Zeugnis des Petros Patrikios
16
fand der iberische König so-
gar im 4. Abschnitt des Friedensvertrages
17
Erwähnung, jedoch ohne Namensnen-
nung; es wurde festgelegt, daß dieser nunmehr die Insignien seiner Herrschaft von
den Römern entgegenzunehmen habe; dies bedeutete die Anerkennung der römi-
schen Oberhoheit über Iberien.
Aber es war nicht nur die militärisch-strategische Lage, die Iberien für Römer und
Perser so überaus wichtig, ja geradezu unverzichtbar machte. Handels- und wirt-
schaftspolitische Interessen der beiden Großmächte in Mittelasien spielten eine
entscheidende Rolle
18
. Durch den Verlust Iberiens und weiter Teile Armeniens verlor
das Sāsānidenreich die Kontrolle über wichtige Handelsrouten im Norden Mittelasi-
ens an die Römer.
Es stellt sich nun die Frage, ob der König (H)amāzāsp der Šābuhr-Inschrift mit den
beiden iberischen Königen der Pāikūlī-Inschrift (293/94 n.Chr.) und des Friedens-
vertrags von Nisibis (298 n.Chr.) identisch sein könnte. Diese Annahme ist schon al-
lein wegen des zeitlichen Abstandes schwer vorstellbar. Darüberhinaus ist das Pro-
blem auf Grund der fehlenden Namensansetzungen in beiden Quellen nicht zu lö-
sen.
Weitere Hinweise auf die Existenz eines Königs Hbz< von Iberien (Wiruzān)
19
, in
dessen Reich der Religionsstifter →Mānī reiste, um dort seine Lehre zu verbreiten,
finden sich in Bruchstücken von mitteliranisch manichäischen Texten (Fragment M
216 b und M 2230). Ob es irgendwelche Anhaltspunkte für eine Beziehung zwi-
schen diesem König und dem (H)amāzāsp der Šābuhr-Inschrift gegeben hat, muß
ebenfalls fraglich bleiben. Die Ähnlichkeit der Namen kann leicht dazu verleiten, vor-
schnell von ein und derselben Person zu sprechen; auch philologische Untersu-
chungen bringen keinen eindeutigen Beweis für die Identität der verglichenen Per-
sonen
20
. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß eine Begegnung Mānīs mit
dem Wiruzān-šāh Hbz< stattgefunden hat.
Die zeitliche Ansetzung des Königs (H)amāzāsp von Iberien/Wiruzān ist einzig und
allein durch die Šābuhr-Inschrift um 262 n.Chr. gesichert. Ob dieser schon bei der
Eroberung Armeniens (252 n.Chr.) auf Seiten Šābuhrs I. gekämpft und sich durch

16
FHG, ed. C.Müller, IV (1851) Frg. 14, S.189: ???? ??? ???????? ???????? ???? ??????? ?????????
??? ???????? ????????? ??????????? M.-L.Chaumont, Recherches sur l"histoire de l"Arménie (1969) 127.
17
Zum Frieden von Nisibis im Jahre 298 n.Chr. → Aphpharbān, Anm. 18. - E.Kettenhofen, Tirdād
und die Inschrift von Paikuli (1995) 70 und Anm. 435: "auch wenn hier mitnichten ein authentischer
Vertragstext vorliegt".
18
E.Winter hat diese wirtschaftspolitischen Interessen überzeugend dargelegt: Die sāsānidisch-römi-
schen Friedensverträge (1988) 186ff.
19
M.Boyce, Catalogue (1960) 16. - W.B.Henning, Waručān=Šāh (1945) 85ff. - W.Sundermann, Irani-
sche Lebensbeschreibungen Manis (1974) 131ff. - id., Die mittelpersischen und parthischen Turfan-
texte (1979) 145f. - id., Mitteliranische manichäische Texte kirchengeschichtlichen Inhalts (1981)
24ff.: hbz
< wrwc<n š[<h w<xt] = [sprach] Hbz<, der Waruzān-[šāh)... - id., Studien zur kirchenge-
schichtlichen Literatur II(1986) 281ff.
20
W.B.Henning, Two Manichaean magical Texts (1947-48) 49, Anm.1. - W.Sundermann, a.O.(1986)
282f. - id., Die mittelpersischen und parthischen Turfantexte als Quellen zur Geschichte des vorisla-
mischen Zentralasien (1979) 145.
6
außergewöhnlichen Einsatz seinen herausragenden 4. Rang im Gefolge des Groß-
königs erworben hat, muß weiterhin unklar bleiben.
In zwei neu entdeckten Inschriften aus Georgien
21
wird ein iberischer König mit Na-
men ???????????/???????????) erwähnt. Bei dieser neuen Quelle handelt es sich um
zwei in griechischer Sprache verfaßte Inschriften, die von T.Qaukhchishvili
22
veröf-
fentlicht und von D.Braund
23
erneut diskutiert wurden. Nach T.Qaukhchishvili und
D.Braund gehören diese beiden Inschriften inhaltlich zusammen, ergänzen einander
und können als in Stein gemeißelte Stiftungsurkunden angesehen werden. Haupt-
person ist Anagranes, ein ???????? (Pflegevater) und ?????????? (Haushofmeister),
der eine große Badeanlage für sein Mündel, die Königin ??????????? Tochter des
Königs Vologaeses (?????????????) von Armenien und Ehefrau des iberischen Königs
???????????/???????????, gestiftet hat. T.Qaukhchishvili und D.Braund bringen den
iberischen König ???????????/??????????? mit dem in diesem Lemma besprochenen
König (H)amāzāsp der Šābuhr-Inschrift in Verbindung
24
.
L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften. Leiden, Téhéran 1978. (AcIr.18.) - Ph.Huyse,
Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Ka
>ba-i Zardušt (ŠKZ). Bd 1-2. London 1999.(CII P.III,
1,1, 1-2.)
M.Boyce, A Catalogue of the Iranian manuscripts in Manichean script in the German Turfan Collec-
tion. Berlin 1960. (Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung.
Veröffentlichung.45.) - W.B.Henning, Waručān=Šāh. In: Journal of the Greater India Society
11(1945) 85ff. - Ebenf. abgedr. in: Selected Papers. Leiden, Téhéran 2(1977) 225-30. (AcIr.15.) - id.,
Two Manichaean magical Texts. In: BSOAS 12(1947-48) 39-66. - Ebenf. abgedr. in: Selected Papers.
Leiden, Téhéran 2(1977) 283. (AcIr.15.) - W.Sundermann, Mitteliranische manichäische Texte kir-
chengeschichtlichen Inhalts mit e. Appendix von N.Sims-Williams. Berlin (1981) 24f. (Schriften zur
Geschichte und Kultur des Alten Orients. Berliner Turfantexte.XI.)
Zwei neue griechische Inschriften aus Georgien:
T.Qaukhchishvili, Akhali berdznuli tsartserebi armazistsikhe-baginetidan [New Greek Inscriptions
from Armazistsikhe-Bagineti]. In: Mtskheta 11(1996) 81-92. - id., Akhali berdznuli tsartsera arma-
zistsikhe-baginetidan (II) [A new Greek Inscription from Armazistsikhe-Bagineti]. In: Narkvevebi
(khelovnebis sakhelmtsipo muzeumis) [Essays of the State Museum of Art]. Tbilisi (1998) 11-14. -
id., Dzveli berdznuli tsartserebis shesakheb sakartveloshi [On ancient Greek Inscriptions in Georgia].
In: Kalakebi da sakalako tskhovreba dzvel sakartveloshi I [Cities and city live in ancient Georgia: ab-
stracts of a conference in honour of A.Apakidze]. Tbilisi (1999) 27-32. - D.Braund, Georgia in anti-
quity. A History of Colchis and Transcaucasian Iberia 550 BC - AD 562. Oxford 1994. - id., Anagra-
nes the ???????: the court of Caucasian Iberia in the second-third centuries AD. In: Autour de la
mer Noire. Hommage à Otar Lordkipanidzé. Editeurs: D.Kacharava, M.Faudot et E.Geny. Paris
(2002) 23-34.

21
E.Kettenhofen machte mich dankenswerterweise auf diese Inschriften aufmerksam.
22
Text und Übersetzung dieser Inschriften finden sich unter B; die einschlägige Literatur ist unter L
aufgelistet.
23
D.Braund, Anagranes the ???????: the court of Caucasian Iberia in the second-third centuries
AD. (2002) 23-34.
24
Zur historischen Situation s. M.-L.Chaumont, L"Arménie entre Rome et l"Iran. I. De l"avènement
d"Auguste à l"avènement de Dioclétian (1976) 154. - K.Schippmann, Grundzüge der parthischen Ge-
schichte (1980) 71 und Anm. 112.
7
Namen:
F.Justi, Iranisches Namenbuch. Marburg (1895) 124f. - Repr. Hildesheim 1963. - H.Hübschmann,
Armenische Grammatik. Leipzig (1897) 47, Nr. 94.(Bibliothek indogermanischer Grammatiken.6.) -
2., unveränd. Nachdr. Hildesheim 1972. - M.Back, s.o. - Ph.Gignoux, Noms propres sassanides en
moyen-perse épigraphique. Wien (1986) 95, Nr. 428. (IPNB. II,2.). - Ph.Huyse, s.o. - W.B.Henning,
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