Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Denag_Koenigin
1
Vorwort Abkürzungsverzeichnis
Personenregister Orts- und Sachregister
Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Ssnidenreiches
K  Geneaogie K  ostaat Pbags K  ostaat Arda
rs 
K V ostaat buhrs  K V rauenDēnag, Königin [bāmbišn] [ŠKZ I 10]
B:
ŠKZ: mpI 25: W - dynky MLKTA = ud Dēnag bāmbišn; paI 20: dynkyE MLKTE = Dēnag bāmbišn;
grI 47: ??? ???????? ??????????? Übers.: mp. und Dēnag, der Königin; pa. Dēnag, der Königin; gr.
und Dēnag, (die) Königin.P:
Recht bedeutsam ist die Tatsache, daß →Šābuhr I. auch Frauen in seinen großen
echenschatsbericht an der Ka>ba-i Zardušt aufgenommen hat. Sie sind nicht nur in
der Genealogie, sondern auch unter den Würdenträgern im Hofstaat der ersten bei-
den Großkönige zu finden. Zu diesen Frauen, sechzehn an der Zahl, gehört auch die
Königin Dēnag. Aus der Šābuhr-Inschrift sind außer ihr noch drei weitere Frauen mit
Namen Dēnag bekannt, deren Identifizierung jedoch Schwierigkeiten verursacht: →
Dēnag, die Mutter des Königs Pābag [ŠKZ III 5], → Dēnag Königin der Königinnen
die ochter des Pbag K   und erner  nag die Königin von  n die
dastgerd des buhr K V 
1
. In welcher Beziehung sie zueinander stehen,
darüber ist seit der Entdeckung der Inschrift kontrovers diskutiert worden.
W.B.Henning
2
und auch Ph.Gignoux
3 identifizierten die Königin Dēnag mit Dēnag,
der Mutter König Pābags. Dieser Annahme widerspricht aber die Überlieferung der
Šābuhr-Inschrift. Danach verfügte die Mutter des Königs Pābag über keinen Titel.
M.-L.Chaumont
4
dagegen glaubte, daß es sich bei der Königin Dēnag und Dēnag,
der Königin von Mēšān, um ein und dieselbe Person handeln müsse. Ph.Huyse
5

1
Dēnag, die Mutter König Pābags: mpI 28/29; paI 23; grI 56. - Dēnag, die Königin der Königinnen,
die Tochter Pābags: mpI 29; paI 23; grI 56. - Dēnag, die Königin von Mēšān, die "dastgerd" des
Šābuhr: mpI 30; paI 25; grI 60.2
Notes on the great inscription of Šāpur I (1954) 44: "After them three queens are mentioned... the
Queen Dēnak. The latter is also mentioned in line 28: Dēnak, the mother of King Pāpak..."
3
Noms propres Sassanides en moyen-perse épigraphique (1986) 76, Nr. 312: "Nom d"une reine
(ŠKZ 25), mère du roi Pābag (ŠKZ)..."4
A propos de quelques Personnages féminins figurant dans l"inscription trilingue de Šāhpuhr Ier à la
Ka>ba de Zoroastre (1963) 194 Anm. 4: "Pour notre part, c"est plutôt avec la Mēšan-bāmbišn du
même nom, qui figure plus bas, dans la Notitia de Šāhpuhr, que nous inclinons à l"identifier".
5
ŠKZ 2(1999) 117: "Die hier gemeinte Königin dürfte wegen ihrer Stellung in ŠKZ nach Šābuhrs
Tochter Ādur-Anāhīd und vor seinen vier Söhnen am ehesten ebenfalls eine Tochter Šābuhrs I. ge-
wesen sein. Aus diesem Grunde dürfte auch die Interpretation von Gignoux [hier s. Anm.3] ausschei-
den, der sie für die Mutter des Königs Pābag hielt".
2
aber erkannte in der Königin Dēnag eine Tochter Šābuhrs I. und schloß sich der
Meinung A.Maricqs
6
an, daß es sich bei den vier Frauen mit Namen Dēnag eher um
vier eigenständige Persönlichkeiten handeln müsse.
Die Königin
7
Dēnag
8
nimmt den zehnten Rang von insgesamt 29 Familienmitglie-
dern innerhalb der Genealogie Šābuhrs I. ein und muß von daher zur engeren Fami-
lie des Großkönigs gehören. Der Gedanke Ph.Huyses, daß die Königin Dēnag ver-
mutlich zu den Nachkommen Šābuhrs I. zu zählen sei, macht es notwendig, nach
dem Ordnungsprinzip innerhalb der Genealogie zu fragen. Die Genealogie gliedert
sich in mehrere Abschnitte. Der erste Abschnitt beginnt mit Šābuhr I., dem König
der Könige, und seiner Tochter →Ādur-Anāhīd, der Königin der Königinnen [ŠKZ I
1 geogt von drei Söhnen des Grokönigs iese ün Persönichkeiten düren as
die ersten
e$rsentanten des Ssnidenreiches angesehen werden
ach ihnen erogt eine sur der zweite Abschnitt der Geneaogie beginnt it der
Auzhung der schon verstorbenen aiienitgieder it Ssn K   de
errn König Pbag K  . König buhr /K   Sohn Pbags und setzt
sich ort it de König der Könige Arda
r K  0 und der Königin des
eiches
2
w
ar(r)ānzēm [ŠKZ I 9]
9
. Ph.Huyse nimmt an, daß sich nach der Königin des Rei-
ches it ,dur-Anh
d die
eihe der achkoen buhrs   ortsetzt geogt von
der Königin nag und vier Söhnen buhrs  abei t au da buhr  weder
die Königin nag noch den au sie ogenden Wahr König von Gn den s$-
teren Grokönig Wahr  K  11 as seine ochter bzw seinen Sohn be-
zeichnet ies ist aber der a bei ,dur-Anh
d und ihren !rüdern die zu !eginn
der Geneaogie in unittebarer he des Grokönigs stehen a Wahr nicht
zu dieser Gru$$e der achkoen buhrs  gehört aber in der zweiten Auzh-
ung seinen Patz indet ist schwer nachzuvoziehen
10
. Im Falle der Königin Dēnag
ist anzumerken, daß ihr - vorausgesetzt, sie ist eine Tochter Šābuhrs I. - der Köni-
ginnentitel vermutlich nur wegen ihrer Abstammung zuerkannt worden ist. Diese An-
nahme scheint jedoch nicht gerechtfertigt zu sein, da mit diesem Titel in der Regel
eine Funktion verbunden ist, sei es als Ehefrau eines Königs oder als Königin mit
einem Herrschaftsbereich, wie im Falle Dēnags, der Königin von Mēšān, der
"dastgerd" des Šābuhr [ŠKZ IV 3]. Wenn aber Ph.Huyses Meinung zuträfe, wäre
Šābuhr I. Vater von zwei Töchtern und vier Söhnen.
Es stellt sich die Frage, ob Königin Dēnag auf Grund ihres 10. Ranges innerhalb der
großköniglichen Familie und ihres Titels nicht eine differenziertere Rolle als die einer
Tochter Šābuhrs I. gespielt haben könnte. Auch kann es ja kein Zufall sein, daß auf
eine nähere Bezeichnung ihres Königtums verzichtet wurde. Um Dēnags Rolle in-

6
Res Gestae Divi Saporis. In: Syria 35(1958) 333. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 117.
7
Zum Titel bāmbišn/MLKTA s. E.Benveniste, Titres et noms propres en Iranien ancien (1966) 27ff. -
W.Sundermann, Bānbišn. In: EncIr III(1989) 678-79. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 107f. (mit vielen Lite-
raturangaben).
8
Zum Namen Dēnag s. M.Back, SSI (1978) 212, Nr. 127b. - Ph.Gignoux, Noms propres Sassanides
en moyen-perse épigraphique (1986) 76, Nr. 312. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 117 Anm. 197.
9
Ob diese Königin noch zu den verstorbenen Familienmitgliedern gehört, ist eine der Kernfragen der
Genealogie.
10
W.B.Henning, The great Inscription of Šāpūr I (1937-39) 847. - R.N.Frye, The political History of
Iran under the Sasanians. In: CHI 3.2(1983) 127f.
3
nerhalb der königlichen Familie besser verstehen zu können, ist es notwendig, einen
Blick auf die ihr vorausgehenden Personen zu werfen. Im zweiten Abschnitt der Ge-
nealogie gedenkt Šābuhr I. der verstorbenen Familienmitglieder, die in chronologi-
scher Reihenfolge erwähnt werden. Auf Ardašīr I., der zum Zeitpunkt der Fertigstel-
lung der Inschrift schon ca. 20 Jahre verstorben war, folgen zwei Königinnen,
X
w
ar(r)ānzēm, die Königin des Reiches, und Ādur-Anāhīd, die Königin der Königin-
nen, Tochter Šābuhrs I. Ob hier das Prinzip der sozialen Rangordnung aufgegeben
worden ist, erscheint fraglich. Es fällt auf, daß X
w
ar(r)ānzēm, wie Ph.Huyse er-
kannte, im Gefolge der schon verstorbenen Sāsānidenkönige direkt hinter Ardašīr I.
und noch vor den Kindern Šābuhrs I. plaziert ist
11
. Danach könnte X
w
ar(r)ānzēm als
Ehefrau Ardašīrs I. angesehen werden und die Reihe der Ahnen beschließen. Im
Anschluß an X
w
ar(r)ānzēm scheint Ādur-Anāhīd, die Königin der Königinnen, die
Reihe der lebenden Mitglieder des Königshauses anzuführen.
Geht man davon aus, daß Ādur-Anāhīd an dieser Stelle, in der Folge der Herrscher
des Sāsānidenreiches, nicht vorrangig als Tochter, sondern als Herrscherin auftritt,
so ergäbe sich für die Königin Dēnag nicht die Rolle einer Tochter, sondern die einer
Gattin Šābuhrs I.; auf diese Möglichkeit machten M.Sprengling und A.Maricq auf-
merksam
12
. Mit dieser Identifizierung wäre auch die Diskussion um ihren fehlenden
Herrschaftsbereich überflüssig geworden. Königin Dēnag steht demnach in der
Folge von zwei Königinnen, ist aber Ādur-Anāhīd im Rang nachgeordnet.
In welchem Verhältnis stand die Königin Dēnag aber zu den anderen beiden Träge-
rinnen gleichen Namens: zu Dēnag, der Mutter des Königs Pābag und zu Dēnag,
der Königin der Königinnen, der Tochter des Pābag? Eine Identifizierung der Köni-
gin Dēnag mit diesen beiden scheidet wegen der unterschiedlichen Titulatur aus.
Während Dēnag, die Mutter König Pābags
13
, keinen Titel führt, steht ihre gleichna-
mige Enkelin, die Tochter Pābags, im Range einer Königin der Königinnen.
Es bleibt die Frage, ob die Königin Dēnag vielleicht mit Dēnag, der Königin von
Mēšān, der "dastgerd" des Šābuhr
14
, identisch sein könnte. Eine Identifizierung die-
ser Königinnen kann nicht ausgeschlossen werden, da beide den Königstitel führen
und protokollarisch gesehen bevorzugte Ränge innehaben. Im Hofstaat Šābuhrs I.
nimmt die Königin von Mēšān unter 67 Würdenträgern sogar den herausragenden
dritten Platz ein. Ihr Epitheton, "dastgerd"
15
des Šābuhr, das auf eine Auszeichnung,
einen Ehrentitel hinweist, stützt die These von der Identifizierung beider Königinnen.

11
Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 116.
12
M.Sprengling, Shahpuhr I, the Great on the Kaabah of Zoroaster(KZ) (1940) 392: "The third mem-
ber of his harem is simply queen...". - A.Maricq, Res Gestae Divi Saporis (1958) 333: Genealogische
Tafel; danach ordnet A.Maricq Šābuhr I. drei Frauen zu: die Königin des Reiches X
w
ar(r)ānzēm, die
Königin Dēnag und die Königin →Staxryād [ŠKZ I 20].
13
Ph.Huyse, SKZ 1(1999) 54: mpI 28/29; paI 23; grI 56. - W.B.Henning und auch Ph.Gignoux dage-
gen nahmen an, daß die Königin Dēnag mit Dēnag, der Mutter König Pābags, identisch sei. s. hier
Anm. 2 und 3.
14
Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 57: mpI 30; paI 25; grI 60. - M.-L.Chaumont vertrat die Meinung, daß die
hier besprochene Königin Dēnag identisch sei mit der gleichnamigen Königin von Mēšān, der
"dastgerd" des Šābuhr: s. Anm. 4.
15
Ph.Gignoux, Dastgerd. In: EncIr VII(1996) 105-06. - s. auch → Dēnag, Königin von Mēšān.-
Ph.Huyse, SKZ 2(1999) 98-100.
4
Ob es sich dagegen doch um vier eigenständige Persönlichkeiten mit Namen Dēnag
handelt, wie A.Maricq
16
vorschlug, darüber kann volle Klarheit bei der gegenwärtigen
Quellenlage nicht erzielt werden.
L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften. Leiden, Téhéran 1978. (AcIr.18.) - Ph.Huyse,
Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Ka
>ba-i Zardušt. (ŠKZ). Bd 1-2. London 1999.(CII P.III,
1,1, 1-2.)
Namen/Titel:
E.Benveniste, Titres et noms propres en iranien ancien. Paris (1966) 27ff. (Travaux de l"Institut
d"Etudes Iraniennes de l"Université de Paris.1.) - M.Back, SSI (1978) 212, Nr. 127b.- Ph.Gignoux,
Noms propres Sassanides en moyen-perse épigraphique. Wien (1986) 76, Nr. 312. (IPNB, II,2.) -
W.Sundermann, Bānbišn. In: EncIr III(1989) 678-79. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 107f.
Person:
M.Sprengling, Shahpuhr I, the Great on the Kaabah of Zoroaster(KZ). In: AJSLL 57(1940) 341-420.
- W.B.Henning, Notes on the great inscription of Šāpur I. In: Prof. Jackson Memorial Volume. Bom-
bay (1954) 44. - Ebenf. abgedr. in: Selected Papers. Leiden 2(1977) 419. (AcIr.15.) - A.Maricq, Res
Gestae Divi Saporis. In: Syria 35(1958) 333. - Ebenf. abgedr. in: Classica et Orientalia. Paris (1965)
75. (Institut Français d"Archéologie de Beyrouth. Publications hors série.11.) - M.-L.Chaumont, A
propos de quelques Personnages féminins figurant dans l"inscription trilingue de Šāhpuhr Ier à la
"Ka>ba de Zoroastre". In: JNES 22(1963) 194 Anm. 4. -

Ph.Gignoux, a.O. (1986) 76, Nr. 312. (IPNB,
II,2.) - id., Dastgerd. In: EncIr VII(1996) 105-06.

16
s. Anm. 6.