Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Casmag
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Vorwort Abkürzungsverzeichnis
Personenregister Orts- und Sachregister
Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches
ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.
ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen
Čašmag "Nēw - Šābuhr' [ŠKZ IV 23]
B:
ŠKZ: mpI 32: cšmk ZY nywšhpwhry = Čašmag ī Nēw - Šābuhr; paI 26: ššmk nywšhypwhr =
Čašmag Nēw - Šābuhr; grI 63: ??????? ???????? ? Übers.: mp. und pa. Čašmag (mit dem Bei-
namen) "Nēw - Šābuhr' ("Gut ist Šābuhr'); gr. Čašmag, (genannt) Nēw - Šābuhr (("Gut ist Šābuhr').P:
Neben →Čašmag
1
, der Herrin (bānūg) [ŠKZ I 14], gibt es noch einen zweiten Trägerdieses Namens in der Šābuhr-Inschrift. Es ist der Würdenträger Čašmag, für den
→Šābuhr I. in seinem Hofstaat den 23. Rang von insgesamt 67 Mitgliedern vorgese-
hen hatte. Daß dieser Name sowohl für eine Frau als auch für einen Mann im Ge-
brauch gewesen sein muß, besagen die Epitheta: einerseits bānūg "Herrin" und an-
dererseits "Nēw - Šābuhr", das soviel wie "Gut ist Šābuhr" bedeutet und als Bei-
name/Ehrenname, aber vielleicht eher noch als Ehrentitel für einen Mann anzusehen
ist. Von daher fehlt dem Namen des hier besprochenen Würdenträgers auch der
aramäographische Zusatz -E (in der parthischen Version) zur Kennzeichnung eines
Femininums, wie Ph.Huyse zu Recht bemerkt2
.
Der Würdenträger Čašmag, dessen Existenz allein durch die Šābuhr-Inschrift belegt
ist, trägt als einziges Charakteristikum einen Ehrentitel. Nach dem Zeugnis der
Šābuhr-Inschrift muß die Verwendung solcher Ehrentitel sehr beliebt gewesen sein
3
.
Sie geht auf eine alte persische Tradition zurück und war schon zu Zeiten der

1
Zum Namen Čašmag in der dreisprachigen Šābuhr-Inschrift: cšmk - ššmk - ??????? s. M.Back, SSI
(1978) 205, Nr. 101. - Ph.Gignoux, Noms propres sassanides en moyen-perse épigraphique (1986)
67, Nr. 266. - R.Schmitt, Rez. zu Ph.Gignoux/R.Gyselen, Bulles et sceaux sassanides de diverses
collections. Paris 1987. (Studia Iranica. Cahier.4.). In: StIr 17(1988) 269f. - Zur Schreibung der grie-
chischen Namensform ??????? bzw. ??????? s. M.Mancini, Bilingui greco-iraniche in epoca sasanide
(1988) 86. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 118f.2
vgl. Čašmag, Herrin (bānūg) [ŠKZ I 14]: Ph.Huyse, ŠKZ 1(1999) 50: paI 21: ššmkyE.; 2(1999) 119. -
Als weiteres Beispiel führt Ph.Huyse den Namen der Tochter Šābuhrs I. an: ŠKZ 1(1999) 45f.: paI 18:
<trw<nhtyE = →Ādur-Anāhīd in der parthischen Version.
3
Im Hofstaat →Ardašīrs I.: →Abursān
ī Ardašīr-Farr [ŠKZ III 15]; im Hofstaat ŠČbuhr I.: ēD→nag ī
M→šČn bČmbišn, dastgerd ŠČbuhr [ŠKZ IV 3], ē*Sridy ī ŠČhmust [ŠKZ IV 19], ēArdašīr ī Ardašīr-
Šnm [ŠKZ IV 20], ēPČ(k) ihr ī Tahm-ŠČbuhr [ŠKZ IV 21], ēāašmag ī N→w-ŠČbuhr [ŠKZ IV 23],
ēWohnČm ī ŠČbuhr-Šnm [ŠKZ IV 24]; auf dem 29. Rang steht in der mittelpersischen Version nur
eine Person ēPČbīg ī P→rz-ŠČbuhr, Sohn des Šanbid [ŠKZ IV 29], in der parthischen und griechi-schen Version stehen zwei Personen →RazmayŌ? [ŠKZ IV 30] ud Pābič PērŌz-Šābuhr, die Söhne (?)
des Šanbid; gr. ???????? ??? ????? ????????? ?????????? (die Söhne ?) des Šanbid.
2
Achaimeniden bekannt
4
. Die Vergabe von Ehrentiteln ist als Ausdruck der Wert-
schätzung für herausragende Verdienste um König und Reich anzusehen. Im
Hofstaat →Ardašīrs I. kommt nur ein Würdenträger mit einem Ehrentitel vor, im
Hofstaat Šābuhrs I. dagegen steigt die Zahl der Persönlichkeiten mit Ehrentiteln
5
gleich auf sieben
6
an. Sie sind nicht in einem eigenen Abschnitt der Šābuhr -Inschrift
aufgeführt, sondern belegen die Ränge 3, 19-21, 23-24, 29. In der Reihe dieser
Würdenträger steht Čašmag im Hofstaat Šābuhrs I. auf Rang fünf. Abgesehen von
der Königin Dēnag von Mēšān [ŠKZ IV 3] mit dem Ehrentitel "dastgerd des Šābuhr',
beginnt die Reihe dieser Geehrten drei Ränge hinter den Vertetern der ersten Fami-
lien des Reiches: auf →Ardašīr aus dem Hause Kārin [ŠKZ IV 16] folgen
→Wohnām, der Oberverwalter [ŠKZ IV 17], ferner →Frīg, der Satrap von Weh-
AndiyŌk-Šābuhr [ŠKZ IV 18], gefolgt von den beiden ersten Trägern von Ehrentiteln
*SridŌy ī Šāhmust [ŠKZ IV 19] und Ardašīr ī Ardašīr-ŠnŌm [ŠKZ IV 20].
Aus welchen Gründen, für welche Verdienste eine derartige Einstufung erfolgte, läßt
sich nach heutigem Erkenntnisstand nicht nachvollziehen. Ausschlaggebend für das
Protokoll könnte in der Wertigkeit der Ehrentitel oder im sozialen Rang der Würden-
träger zu suchen sein. Ebenfalls unbeantwortet muß die Frage nach der Wertigkeit
der einzelnen Ehrentitel bleiben. Die Ehrentitel sind in der Regel Zusammensetzun-
gen mit den Namen der Großkönige, die ihn verliehen haben
7
. Dies bewahrheitet
sich bei sieben der acht zitierten Ehrentitel. Die einzige Ausnahme ist in diesem
Falle Ardašīr "Ardašīr-ŠnŌm' [ŠKZ IV 20], der zum Hofstaat Šābuhrs I. gehört. Dabei
ist nicht auszuschließen, daß dieser Würdenträger die Auszeichnung von Ardašīr I.
erhielt und in den Hofstaat seines Nachfolgers übernommen wurde.
Zu erörtern ist noch die Frage, ob es sich bei dem Epitheton Čašmags "Nēw-
Šābuhr' wohl eher um einen Ehrentitel
8
als um ein Toponym
9
handelt. Die Nähe zu
anderen Trägern derartiger Auszeichnungen läßt auf Ersteres schließen.
L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften. Leiden, Téhéran 1978. (AcIr.18.) - Ph.Huyse,
Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Ka
>ba-i Zardušt (ŠKZ). Bd 1-2. London 1999.(CII P.III,
1,1,1-2.
Name:
M.Back: SSI (1978) 205, Nr. 101. - Ph.Gignoux, Noms propres sassanides en moyen-perse épi-
graphique. Wien (1986) 67, Nr. 266.(IPNB, II,2.) - R.Schmitt, Rez. zu Ph.Gignoux/R.Gyselen avec la

4
A.Christensen, L"Iran sous les Sassanides (
2
1944) 409f. und Anm. 5 und 6. - M.Sprengling, Third
Century Iran. Sapor and Kartir (1953) 32. - s. auch U.Weber/J.Wiesehöfer, Das Reich der Achaimeni-
den. Eine Bibliographie. Berlin(1996) Nr. 9010-9010a; 9027.(AMI. Erg.Bd.15.)
5
A.Christensen, ibid. (
2
1944) 409f. mit einer Liste von Ehrentiteln; 410: "Une sorte particulière de
noms d"honneur étaient ceux composés du nom du roi, dans le service duquel la personne en
question s"était distinguée". - Ph. Gignoux, L"apport de l"onomastique sassanide à la philologie
iranienne (1984[87]) 299f.
6
s. Anm. 3.
7
s. Anm. 3.
8
M.Sprengling, Shahpuhr I, the Great on the Kaabah of Zoroaster(KZ) (1940) 411, Nr. 23: "Not the
name of a city, but the honorific epithet of the man: "Hero of Shahpuhr". - M.-L.Chaumont, L"ordre
des préséances à la cour des Arsacides d"Arménie (1966) 490, Nr. 23 und Anm. 132.- A.Maricq, Res
Gestae Divi Saporis (1958) 324 Anm. 2; 328.
9
Ph.Gignoux deutete das Epitheton Čašmags als Toponym: Noms propres sassanides en moyen-
perse épigraphique (1986) 67, Nr. 266: "dignitaire de celle de Šāpūr I
er
(de la ville de Nēv-Šābuhr)".
3
collaboration de A.D.H.Bivar, Bulles et sceaux sassanides de diverses collections. Paris 1987. (Stu-
dia Iranica. Cahier.4.). In: StIr 17(1988) 266-71. - M.Mancini, Bilingui greco-iraniche in epoca sasa-
nide. Il Testo di Šāhpuhr alla Ka>ba-yi Zardušt. In: Bilinguismo e biculturalismo nel mondo antico. Atti
del Colloquio interdisciplinare tenuto a Pisa il 28 e 29 settembre 1987. Pisa (1988) 86.(Testi lingui-
stici.13.) - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 118f. (mit vielen bibliographischen Angaben zur Diskussion des
Namens); 159.
Ehrentitel:
A.Christensen, L"Iran sous les Sassanides. Copenhague (
2
1944) 409f. - Repr. Osnabrück 1971. -
M.Sprengling, Shahpuhr I, the Great on the Kaabah of Zoroaster(KZ). In: AJSLL 57(1940) 411. - id.,
Third Century Iran. Sapor and Kartir. Chicago (1953) 32. - A.Maricq, Res Gestae Divi Saporis. In:
Syria 35(1958) 324 Anm. 2; 328. - Ebenf. abgedr. in: Classica et Orientalia. Paris (1965) 66 Anm. 2;
70.(Institut Français d"Archéologie de Beyrouth. Publication hors série.11.) - M.-L.Chaumont, L"ordre
des préséances à la cour des Arsacides d"Arménie. In: JA 254(1966) 490, Nr. 23 und Anm. 132. -
Ph.Gignoux, L"apport de l"onomastique sassanide à la philologie iranienne. In: Linguistica e filologia.
Atti del VII Convegno Internazionale di linguistici. Milano 1984. Brescia (1987) 299f.