Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Ardawan_Demawend
1
Vorwort Abkürzungsverzeichnis
Personenregister Orts- und Sachregister
Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches
ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.
ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen
Ardawān aus Dēmāwend [ŠKZ IV 27]B:
ŠKZ: mpI 32: <rtw<n ZY dwnb<wncy = Ardawān ī Dumbāwan-iz; paI 26: <rtbnw dwnb<wntš =
Arda?ān Dumbāwand-iŽ; grI 63: ??????????? ???? ?
???? ?????????????? Übers.: mp. und pa.
Ardawān aus Dēmāwend; gr. Ardawān, den aus Dēmāwend.P:
Ardawān
1
von Dēmāwend steht in der notitia dignitatum der Šābuhr-Inschrift auf
Platz 27 von insgesamt 67 Würdenträgern im Hofstaat Šābuhrs I. Ihm gehen voran,
abgesehen von den Mitgliedern der königlichen Familie, Vertreter der wichtigsten
Ämter im Reich, die Angehörigen der vornehmsten Adelsfamilien und einige Träger
von hohen Ehrentiteln. Zwei Ränge vor Ardawān sind nur noch der dizbed →Tīrmihrvon Šahrkerd [ŠKZ IV 25] und →Zīg, der Zeremonienmeister [ŠKZ IV 26], plaziert.
Damit steht Ardawān von Dēmāwends hohe protokollarische Plazierung in der Hier-
archie am Königshof eindeutig fest.
Anscheinend war es nicht notwendig, Ardawāns Stellung durch einen Titel oder ein
Epitheton näher zu kennzeichnen. Es genügte offenbar, ihn einzig und allein mit sei-
nem Herkunftsland Dēmāwend2
vorzustellen. Schon seit der Antike verdankt dieses
Gebiet seinen Namen dem höchsten Berg der Elburzkette. Die gleichnamige Stadt,
am südwestlichen Abhang des Gebirges gelegen, ist in das nördliche Medien zu lo-
kalisieren.
Neben Ardawān überliefert die Šābuhr-Inschrift noch einen zweiten Vertreter dieses
Gebietes: → Gēlmān
3
von Dēmāwend [ŠKZ III 16] im Gefolge Ardašīrs I. Durch die
Pāikūlī-Inschrift ist ein weiterer Herrscher Dēmāwends bekannt geworden: →
Satārap4
[NPi III 23], der auf Seiten Narsehs stand und ihn im Kampf um seinen An-
spruch auf die Thronfolge unterstützte. Auch wenn das Gebiet von Dēmāwend nicht

1
Zum Namen: Ph.Gignoux, Noms propres Sassanides en moyen-perse épigraphique (1986) 46, Nr.
125. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 160f.2
Zur geographischen Lage s. E.Kettenhofen, Römer und Sāsāniden in der Zeit der Reichskrise. 224-
284 n.Chr. Wiesbaden 1982. (TAVO - Karte B V 11); id., Das Sāsānidenreich. Wiesbaden 1993.
(TAVO - Karte B VI 3). - Zum Namen von Dēmāwend s. W.Eilers, Der Name Demawend. In: ArOr
22(1954) 267-374; 24(1956) 183-224; 37(1969) 416-48. - M.Streck, Damāwand: EI, new ed., II(1965)
106-07. - R.Gyselen, La Géographie administrative de l"empire Sassanide(1989) 50, Anm. 78 und
63. - B.Hourcade, Damāvand. In: EncIr VI(1993) 627-30.3
Ph.Huyse, ŠKZ 1(1999) 54: paI 24; 54: grI 57; 2(1999) 138.
4
H.Humbach/P.O.Skjaervø, NPi 3.1(1983) 72f. = g 4,06-5,06; 3.2(1983) 127f.
2
in den Provinzlisten der Šābuhr- und Kerdīr-Inschriften ausdrücklich genannt wird,
muß es doch seinen festen Platz im Sāsānidenreich eingenommen haben. Durch
seine drei namentlich erwähnten Vertreter ist Dēmāwends Existenz zwar nicht als
Königreich, aber doch wohl als "lokale Herrschaft"
5
, als "Fürstentum"
6
, im 3. Jahr-
hundert n.Chr. seit Ardašīr I. inschriftlich bezeugt und seine Herrscher können als
Vasallen des sāsānidischen Königs angesehen werden
7
34 Plätze nach Ardawān von Dēmāwend, weit tiefer in der Rangliste Šābuhrs I.,
findet sich ein Würdenträger mit Namen → Kerdīr, der sich als Sohn des Ardawān
[ŠKZ IV 61] bezeichnet. Daß dieser Kerdīr nicht mit seinem berühmten Namensvet-
ter, dem mowbed des Zarathustrismus im 3. Jahrhundert gleichzusetzen ist, steht
außer Frage
8
. Die sich anbietende Vermutung, daß Kerdīr vielleicht ein Sohn dieses
Ardawān sein könnte, muß fallengelassen werden, da Kerdīr nach dem Zeugnis der
Dubliner Kephalaia als Angehöriger des Volkes der Malaner (Fārs) bezeichnet wird
9
.
L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften. Leiden, Téhéran 1978. (AcIr.18.) --
Ph.Gignoux, Les quatre Inscriptions du mage Kirdīr: textes et concordances. Paris 1991. (Studia
Iranica. Cahier.9.) - Ph.Huyse, Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Ka
>ba-i Zardušt (ŠKZ).
Bd 1-2. London 1999.(CII P.III, 1,1,1-2.)
Namen:
Ph.Gignoux, Noms propres Sassanides en moyen-perse épigraphique. Wien 1986. (IPNB II,2.) -
Ph.Huyse, Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Ka
>ba-Zardušt s.o.
Dēmāwend
E.Kettenhofen, Römer und Sāsāniden in der Zeit der Reichskrise. 224-284 n.Chr. Wiesbaden 1982.
(TAVO - Karte B V 11); id., Das Sāsānidenreich. Wiesbaden 1993. (TAVO - Karte B VI 3). -
W.Eilers, Der Name Demawend. In: ArOr 22(1954) 267-374; 24(1956) 183-224; 37(1969) 416-48. -
Repr. Hildesheim, Zürich 1988. - M.Streck, Damāwand. In: EI, new ed., II(1965) 106-07. - M.-
L.Chaumont, Etats vassaux dans l"empire des premiers Sassanides. In: AcIr. Leiden, Téhéran
4(1975) 113-116. - W.Sundermann, Studien zur kirchengeschichtlichen Literatur der iranischen Ma-
nichäer III. In: AltorF 14(1987) 47-107. - R.Gyselen, La Géographie administrative de l"empire Sas-
sanide. Les Témoignages sigillographiques. Paris (1989) 50 Anm. 78; 63.(Res Orientales.I.) -
B.Hourcade, Damāvand. In: EncIr VI(1993) 627-30.- E.Kettenhofen, Tirdād und die Inschrift von
Paikuli. Kritik der Quellen zur Geschichte Armeniens im späten 3. und frühen 4. Jh.n.Chr. Wiesbaden
(1995) 31. - Zugl. Phil.Habil.-Schrift. Trier 1990.

5
E.Kettenhofen, Tirdād und die Inschrift von Paikuli (1995) 31.
6
M.-L.Chaumont, Etats vassaux dans l"empire des premiers Sassanides (1975) 113-16.
7
R.Gyselen, ibid. (1989) 63: "on apprend par les auteurs arabes qu'elle est une province indépen-
dante à l"époque sassanide..."
8
Ph.Gignoux, a.O. (1986) 46, Nr. 125. - id., Les quatre Inscriptions du mage Kirdīr (1991) 18. - s.→
Kerdīr, Sohn des Ardawān Anm. 1. - W.Sundermann, Studien zur kirchengeschichtlichen Literatur
der Manichäer III(1987) 60.
9
s. Kerdīr, Sohn des Ardawān [ŠKZ IV 61].