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Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Aphpharban Aphpharbān
© 25.11.2019 C Seite 1/8

Vorwort Abkürzungsverzeichnis Personenregister Orts- und Sachregister

Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches

NPi I: Introduction NPi II a: Main part a NPi II b: Main part b NPi III: Conclusion

ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.

ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen


, yA 
des Narseh, des Königs der Könige (293-302)*
[Petros Patrikios, Frg. 13-14]


B:
Petros Patrikios, Fragmenta 13-14. In: FHG (ed. C.Müller) IV(1851) 188-189.
Frg. 13: (S. 188):
  A  "A  é é é   A 
A ! Dè é é "
Frg. 14 (S. 189):
!   A    A !A A A  A
 è       " ! yA yA 
 " ! yA !    !  é é ! 

Übers.: Frg. 13: Aphpharbān, der ein sehr enger Vertrauter des Perserkönigs Narseh war, wurde mit
einer Gesandtschaft beauftragt und traf als Bittflehender mit Galerius zusammen. -
Frg. 14: Narseh schickte - im Innern des Königspalastes - alle anderen fort und begnügte sich mit
der Anwesenheit des Aphpharbān, des Archapetēs und des Barsabōrsēs, von denen der eine
Prätorianerpräfekt war und der andere die Herrschaft über Symien1 innehatte. Dann gestattete er
dem Probus, einen detaillierten Bericht seiner Gesandtschaft vorzutragen.

Johannes Zonaras: Ioannis Zonarae Annales ex recensione M.Pinderi. T. II. Bonnae (1844),
616,4-617,4 = XII 31:
 !  A A yA    !  
 " A DA !  "A A A  ! 
(! ! !       A    
 A  A  !  A  A A A
  A A),
     !   !  ! !  
" A ! A   !A A   é ! A 
  A  A A A "   A ! ! A ! "
!A  A !  A  A  "A  ! 
  A  ! A    ! !   
A A A   !A  A  !A A  !A A
   y  A A   !A   
A  A    A " A A !A !  
  !A A  !A A  é   !A  
A   A A !A A A y 

*2009. - Überarb. 2019.
1 Zur Klärung der an zwei Stellen verderbten Textstelle des Petros Patrikios, Frg. 14, s. Anm. 17 und
23.
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Übers.: The History of Zonaras. From Alexander Severus to the Death of Theodosius the Great.
Transl. by Th.M.Banchich and E.N.Lane. Introd. and Commentary by Th.M.Banchich. London, New
York (2009) 65f. = XII 31:
When Narses was sovereign of Persia, he who is listed as the seventh to reign in Persia after
Artaxerxes, whom the writer of this history previously mentioned as having again renewed the realm
for the Persians (for after this Artaxerxes or Artaxares - he had two names - Sapor ruled Persia, and
after him Hormisdas, then Vararanes, and after him Vararakes, and then another Vararanes, and
finally Narses), moreover, with Narses then plundering Syria, Diocletian, as he was traversing Egypt
against the Ethiopians, dispatched with an adequate force his own son-in-law Gallerius Maximinus to
engage him. He joined battle with the Persians, was defeated, and fled. Diocletian dispatched him
again with a larger army. Then, when he attacked them again, he won such an outstanding victory
that the earlier defeat was canceled out. He killed the greater part of the Persians and, having
pursued Narses, who was wounded, into the interior of Persia, led off his wives and children and
sisters as captives, and captured all the riches that Narses had brought with him for his campaign, as
well as many people of distinction in Persia. After he had recovered from his wound, Narses sent
delegations to Diocletian and Gallerius, asking that his children and wives be returned to him and that
a peace treaty be made. He gained his request, ceding to the Romans whatever thy wanted.


P:
Nach der Überlieferung des Petros Patrikios (ca. 500-564 n.Chr.)2 war
3 als Gesandter des Königs →Narseh4 (293-302) [ŠKZ I 4] an den
römisch-persischen Verhandlungen, die 298 n.Chr.5 zum Friedensvertrag von Nisibis
führten, entscheidend beteiligt. Petros Patrikios ist der einzige Gewährsmann, dem
die bruchstückhafte Schilderung der schwierigen Friedensverhandlungen verdankt
wird. Die Fragmente 13 und 14 seines nur in wenigen Fragmenten erhaltenen Ge-
schichtswerks berichten von den wechselseitigen Verhandlungen, den Ver-
tragspartnern und den einzelnen Klauseln des Friedensvertrages6.
Vorangegangen waren kriegerische Auseinandersetzungen mit Rom, die einige
Jahre nach Narsehs Regierungsantritt (293) ausgebrochen waren. Im Frühjahr 297
kam es in einem Gebiet zwischen Callinicum und Carrhae7 zur ersten militärischen
Konfrontation, die in einer schweren Niederlage des Galerius endete. Orosius (VII
25,9) und Zonaras (XII 31) überliefern, dass Galerius die Flucht ergriff und sich zu

2 Zu Leben und Werk des Petros Patrikios s. A.Nagl, Petros (6). In: RE XIX 2(1938) 1296-1304. - J.R.
Martindale, Petros Patrikios. In: PLRE III B(1992) 994-998. - Petros Patrikios' Interesse an eingehen-
der Schilderung historischer Vorgänge beruht auf seiner eigenen Tätigkeit als Gesandter des Kaisers,
der bei den Friedensverhandlungen mit den Persern zur Zeit Ḫusrōs I. Anōširvān der Gesandtschaft
vorstand: s. Menander Prot., Exc. de legationibus Rom. 3,5 s. R.C.Blockley, The History of Menander
the Guardsman. Liverpool (1985) 55 (Fragment 6.1). (ARCA. Classical and Medieval Texts, Papers
and Monographs.17.)
3 Zum Namen des  s. G.Hoffmann, Auszüge aus Syrischen Akten persischer Märtyrer
(1880) 36, Anm. 306. - F.Justi, Iranisches Namenbuch (1895) 5: s.v. . - M.-L.Chaumont,
Chiliarque et curopalate (1973) 145-147. - W.Felix, Antike literarische Quellen (1985) 123.
4 U.Weber, Narseh, König der Könige von Ērān und Anērān. In: IrAnt 47(2012) 153-302. - s. die
überarb. Internetversion von 2019.
5 Zur Chronologie der Kriegsereignisse und der Friedensverhandlungen s. F.Kolb, Zu chronologi-
schen Problemen der ersten Tetrarchie (1988) 105-125. - E.Kettenhofen, Rez. zu E.Winter, Die sāsā-
nidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n.Chr. (1988). In: BiOr 47(1990) 163-178. -
id., Tirdād und die Inschrift von Paikuli (1995) 70ff. - F.Kolb, Chronologie und Ideologie der Tetrarchie
(1995) 21-31. - U.Weber, ibid. (2012) 153-302. - s. die überarb. Internetversion von 2019.
6 Petros Patrikios, Fragment 14. In: FHG IV(1851) 189. - E.Winter, Die sāsānidisch-römischen Frie-
densverträge (1988) 168ff. - E.Kettenhofen, Tirdād und die Inschrift von Paikuli (1995) 70 und Anm.
435: "auch wenn hier mitnichten ein authentischer Vertragstext vorliegt".
7 Eutropius IX 24. - Orosius VII 25,9. - Theophanes 9,4.
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Diokletian begeben habe. Galerius, der sich nicht mit seiner Niederlage zufrieden
gab, bat Diokletian eindringlich, neue Truppen in dem ihm zugewiesenen Reichsteil
ausheben zu können. Narseh dagegen zog sich nach seinem überragenden Sieg
auf seinem Weg durch die persischen Territorien im Nordosten Mesopotamiens auf
sicheres Reichsgebiet nach Armenien zurück. Wegen dieses Verhaltens darf man
davon ausgehen, dass es Narseh in erster Linie darum ging, die persischen Besit-
zungen zu sichern. Er strebte offenbar nicht danach, sich römischer Gebiete zu be-
mächtigen, wie die opinio communis dieses vorgibt. Narsehs entferntes Rückzugs-
ziel lässt darauf schließen, dass er die Kampfhandlungen mit Rom durch seinen
Sieg als so entscheidend ansah, dass er nicht an die Fortsetzung des Krieges
glaubte und auch nicht plante. Es bleibt kaum verständlich, warum Narseh seine
günstige militärische Ausgangsbasis nicht für eine Fortsetzung des Krieges zu
nutzen wusste, um seine Machtbasis zu sichern. Narsehs Fehleinschätzung der
römischen Strategie zog verheerende Folgen nach sich, die sich noch weit bis ins
nächste Jahrhundert auswirken sollten.
Ende 297 bzw. Anfang 298 zog Galerius mit seinem neu aufgestellten Heer von
Syrien aus in die römische Provinz Cappadocia, um in der Garnisonsstadt Satala8
sein Heerlager aufzuschlagen9. Narsehs Heerlager aber befand sich nach Pʻawstos
Buzand auf persischem Reichsgebiet, nicht weit entfernt von Satala in Osha10 im
Kanton Basean in Armenia maior. In einem überraschenden Angriff überfiel Galerius
Narsehs Heerlager (Festus XXV 2) mit einer großen Armee von angeblich 25 000
Mann und fügte Narseh eine schwere Niederlage bei. Nach der Vernichtung des
persischen Heeres ließ Galerius Narsehs Frauen, seine Kinder, eine große Anzahl
von sāsānidischen Adligen und hohen Würdenträgern des Hofes gefangen
nehmen11. Darüber hinaus erbeutete Galerius große Mengen des persischen
Staatsschatzes, den Narseh während seines Kriegszuges mit sich geführt hatte.
Fest steht, dass es Narseh gelang, sich dem Zugriff der römischen Verfolger zu
entziehen und sich auf persisches Reichsgebiet zurückzuziehen12.
In dieser Situation, so berichtet Petros Patrikios13, sandte Narseh , der
ihm besonders nahestand (A  "A  é é), mit einer Ge-
sandtschaft zu Galerius, um ihm ( Dè ") seinen Wunsch nach
Frieden und Unterwerfung kundzutun. Der Ort ihrer Unterredung ist nicht über-
liefert. In seiner Rolle als Unterhändler greift  in seiner Rede zu einem
diplomatischen Vergleich: Er vergleicht nämlich das römische und persische Reich
mit zwei Lampen. Daher sei es notwendig, dass diese wie zwei Augen sich

8 The Epic Histories attributed to Pʻawstos Buzand (1989) III 21 [Text], 66 [Übers.]. s. F.Kettenhofen,
Die römisch-persischen Kriege des 3. Jahrhunderts n.Chr. nach der Inschrift Šāhpuhrs I. an der
Kaʻbe-ye Zartošt (ŠKZ) [1982] 86. - id., Toponyme bei Ps.- P̣awstos. In: Handes Amsorya 103(1989)
65-80; hier 76, Nr. 77.
9 The Epic Histories attributed to Pʻawstos Buzand (1989) III 21 [Text], 98f. [Übers.].
10 The Epic Histories attributed to Pʻawstos Buzand (1989) III 21 [Text], 98f. [Übers.] und IV 22 [Text],
155 [Übers.]. - M.-L.Chaumont, Recherches sur l'histoire d'Arménie (1969) 118f. - E.Kettenhofen,
ibid. (1989) 75, Nr. 71.
11 Weitere Autoren neben Petros Patrikios sind: Aurelius Victor, Liber de Caesaribus 39, 33-36. -
Festus, Breviarium 25, S. 65,12 - 66,5. - Eutropius, Breviarium ab urbe condita IX, 24 - 5,1. - Oro-
sius, Adversus paganos VII, 25, 9-11. - Jordanes, Getica XXI (110), S. 86,13-19. - Theophanes,
Chronographia, A.M. 5793, S. 9, 1-15. - Zonaras, Annales XII, 31, S. 616,4 - 617,4.
12 Zur Chronologie dieses Krieges s. Anm. 4 und 5.
13 Petros Patrikios, Fragment 13.
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gegenseitig erhellten14.  erklärt weiter, dass man sich nicht bis zur
gegenseitigen Vernichtung verhärten solle. Man dürfe Narseh nicht als weniger
kriegstüchtig ansehen als alle anderen Könige; aber Galerius sei so sehr den übri-
gen Königen überlegen, dass von ihm allein Narseh zu Recht besiegt sei. Darüber -
hinaus, so berichtet , stelle Narseh Wohlergehen und Schicksal seines
Reiches der Hochherzigkeit und Milde Roms () anheim. Aus diesem
Grunde stelle er keine Bedingungen für einen Friedensvertrag, sondern überant-
worte alles dem Urteil des Kaisers. Er bäte aber einzig und allein um die Rückkehr
seiner gefangenen Frauen und Kinder. Als  daraufhin auf die Wechsel-
fälle des menschlichen Lebens zu sprechen kommt, erinnert Galerius den persi-
schen Gesandten voller Zorn und Erbitterung an die Gefangennahme des Kaisers
Valerian durch die Perser, an dessen unwürdige Behandlung während der Gefan-
genschaft und über den Tod hinaus. Gegen Ende der Audienz fordert Galerius
 auf, dem Großkönig von der Großherzigkeit und der Milde der Römer zu
berichten: Dass die Gefangenen in Kürze zum Großkönig Narseh zurückkehren
würden.
Nach dieser ersten Phase der Friedensverhandlungen folgte eine zweite15, in
deren Verlauf der Friedensvertrag unterschrieben wurde. Bevor es dazu kam, trafen
Galerius und Diokletian in Nisibis zusammen, um sich über das weitere Vorgehen
gegenüber Narseh zu beraten. Sicorius Probus, Leiter der römischen Gesandtschaft
und in der Rolle eines !A A A (magister memoriae, Leiter der
kaiserlichen Kanzlei), wurde daraufhin beauftragt, dem Großkönig Narseh die Frie-
densbedingungen zu unterbreiten. Nach der Überlieferung des Petros Patrikios fand
der Friedensabschluss in Narsehs Palast statt, der am Ufer des Asprudis16, einem
Flusse Mediens, gelegen war.
An den Friedensverhandlungen nahmen auf persischer Seite neben dem
Großkönig zwei hohe Würdenträger17 teil, die auf Grund ihrer Ämter zu den Ersten

14 Dieser auf  zurückgehende Topos ist noch in spätrömischer und byzantinischer Zeit
immer wieder erwähnt worden: E.Winter, Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge (1988) 164
Anm.1. - Vgl. Šābuhrs II. Brief an Constantius II. bei Amm. Marc. XVII,5,3.
15 Petros Patrikios, Fragment 14.
16 Es liegt nahe, den Fluß Asprudis in Medien zu lokalisieren, da sich sein Name ableiten läßt von
med. "asp-" Pferd und np. rūd, Fluß, worauf mich E.Kettenhofen laut brieflicher Mitteilung vom 14.
März 2002 freundlicherweise aufmerksam machte. - W.Enßlin, Zur Ostpolitik des Kaisers Diokletian
(1942) 42 und Anm. 2-6 mit weiteren Angaben zur Lokalisierung des Flusses Asprudis. - M.-
L.Chaumont, Recherches sur l'histoire d'Arménie (1969) 120 und Anm. 2. - E.Winter, Die sāsāni-
disch-römischen Friedensverträge (1988) 166 und Anm.4.
17 Die entsprechende Textstelle in Fragment 14 des Petros Patrikios hat doch wohl als verderbte
Stelle zu gelten und führte zu unterschiedlichen Interpretationen:
 A  è       " ! yA
yA   " ! yA !    !
Danach nehmen drei und nicht zwei Personen neben Narseh an den Friedensverhandlungen teil:
, Archapetēs und A. Diese Annahme wird jedoch durch den Nachsatz, der
sich nur auf zwei Personen bezieht, widerlegt. Bei der Überlieferung des Textes könnte in späterer
Zeit vermutlich das Amt des archapetēs nicht mehr als solches erkannt und mit einem
Familiennamen verwechselt worden sein. (Vgl. E.Herzfeld, Paikuli 193). Die Ausschaltung des
zweiten "" vor A macht diesen zum argbed des Sāsānidenreiches. Diese Lesung ist
von mehreren Forschern schon seit 1880 vertreten worden. Als erster diesen Sachverhalt erkannt zu
haben, wird G.Hoffmann (Auszüge aus Syrischen Akten persischer Märtyrer. Leipzig [1880] 36 Anm.
306) verdankt. - Ebenso F.Justi, Iranisches Namenbuch (1895) 64 s.v. A  Auch
P.Peeters (L'intervention politique [1931] 27) geht von 2 Würdenträgern aus, wobei er jedoch dazu
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des Reiches zu zählen sind:  und → A [Petr. Patr., Frg. 14].
Petros Patrikios bezeichnet  als yA  als den Präfekten
der Garde18, der die königliche Garde befehligte. Für den byzantinischen Autor war
der Titel des yA  wohl eine angemessene Übersetzung für das
hohe militärische Amt des hazārbad/hazāruft19. Dieser Titel ist schon zur Zeit der
Achaimeniden belegt und lässt sich von ap. hazārapati- "Herr der Tausend" ableiten.
Die griechischen Historiker übersetzten diesen Titel mit A Der
hazārbad/hazāruft rangierte im Hofstaat der Sāsānidenkönige →Ardašīrs I. [ŠKZ I 8]
und →Šābuhrs I. gleich nach dem bidexš, dem Vizekönig, und vor den Vertretern
der ersten Familien des Reiches. In der Rangordnung der Paikuli-Inschrift nimmt
dieser jedoch erst den vierten Platz nach →Šābuhr, dem argbed, Prinz →Narseh,
Sohn Sāsāns und dem bidexš →Pābag, ein20. Es ist daher festzuhalten, dass
Narseh den , den Vorsteher der königlichen Elitetruppe, einen sehr ho-
hen Würdenträger mit militärischen Funktionen, zu den abschließenden Friedens-
verhandlungen hinzuzog21.

A mit dem Titel A bekleidete das Amt des argbed22 und war
daneben !   ! der Chef der Staatskanzlei23. Er tritt als Gegen-
spieler des Sicorius Probus24, des magister memoriae, auf persischer Seite auf. Die
Anwesenheit beider Kanzleichefs macht deutlich, dass die Friedensverhandlungen,
vor allem aber die einzelnen Punkte des Friedensvertrages an Ort und Stelle schrift-

neigt, den Titel argbed dem  zuzuschreiben. - Ebenfalls von zwei Personen spricht M.-
L.Chaumont (Recherches sur les institutions de l'Iran ancien II [1962] 15 und Anm. 32; ead.,
Recherches sur l'histoire d'Arménie [1969] 120; ead., Chiliarque et curopalate [1973] 147) und
E.Winter (Friedensverträge [1988] 166). -
Dagegen nehmen nach W.Enßlin (Zur Ostpolitik des Kaisers Diokletian [1942] 51) drei Würdenträger
im Gefolge des Großkönigs an den Verhandlungen teil. - Auch W.Seston (Dioclétien et la tétrarchie
I[1946]) spricht von drei Personen, von denen jedoch nur zwei dem Petros Patrikios bekannt gewe-
sen sein sollen.
18 W.Enßlin, Praefectus praetorio. In: RE XXII 2(1954) 2391ff., insbes. 2393-2394.
19 s. ein Beispiel in ŠKZ: mpI 29: p'pky ZY hz'lwpt = Pābag i hazāruft; paI 23: p'pk hzrwpt = Pābag
hazāruft; grI 56:  " = Pābag hazāruft. - Übers. mp., pa. und gr.: Pābag, den Chili-
archen [ŠKZ III 9 und auch IV 11]. - Ph.Gignoux, Chiliarch. In: EncIr V,4(1991) 423-424. - Last
Updated: October 14, 2011. - Zur Gleichsetzung von hazārbad und yA  s. M.-
L.Chaumont, Recherches sur les institutions de l'Iran ancien (1962) 15; ead., Chiliarque et curopalate
(1973) 147. - V.G.Lukonin, Political, Social, and Administrative Institutions: Taxes and Trade. In: CHI
III(2)(1983) 737. - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 133f.- s. insbes. E.Khurshudian, Die parthischen und
sasanidischen Verwaltungsinstitutionen (1998) 76ff.
20 Ph.Huyse, ŠKZ 1(1999) 54; 57. - P.O.Skjaervø, NPi 3.1(1983) 33, § 16.
21 In einem Aufsatz über die Friedensverhandlungen zwischen dem Achaimenidenkönig Dareios III.
und Alexander dem Großen nach der Schlacht bei Issos (333 v.Chr.) macht R.Bernhardt (Zu den
Verhandlungen zwischen Dareios und Alexander nach der Schlacht bei Issos. In: Chiron 18(1988)
181-198; hier 192-195.) in einem Exkurs auf eine vergleichbare historische Situation im Jahre 298
n.Chr. unter Narseh aufmerksam [Hinweis von E.Kettenhofen].
22 M.-L.Chaumont, Argbed. In: EncIr II,4(1986) 400-401. - Last Updated: August 12, 2011. - Zum
Amte des argbed → A
23 An einer 2. Stelle ist der Text des Petros Patrikios, Frg. 14, als verderbt anzusehen, worauf schon
P.Peeters (L'intervention politique [1931] 27) aufmerksam gemacht hat. An Stelle von
!    ist Peeters Lesung: !    vorzuziehen. Danach hatte
A folglich nicht nur das Amt des argbed, sondern auch das des dibīrbed (zu dibīrbed s.
→ Mard [ŠKZ III 18]) des Sāsānidenreiches inne. -
24 Sicorius Probus 7. In: PRLE I(1971) 740.
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lich abgefasst werden konnten. Sowohl die militärische Niederlage als auch der Ver-
lust seines Harems zwangen Narseh, den römischen Friedensbedingungen25 zuzu-
stimmen. Nach Abschluss des Friedensvertrages kehrten seine Frauen und Kinder,
die während der römischen Gefangenschaft mit Respekt behandelt worden waren,
zu ihm zurück.
Die Frage, ob  unter den Würdenträgern der Paikuli-Inschrift, die ca. 5-
6 Jahre vor dem Frieden von Nisibis gesetzt wurde, zu finden sei, kann nicht
eindeutig beantwortet werden. Es ist vermutet worden, dass der Name des
 auch als Beiname oder als Titel gedeutet werden könnte. In der Paikuli-
Inschrift findet sich indes kein Würdenträger dieses Namens. Das Amt des
hazārbad/hazāruft hat hier →Ardašīr inne, der vielleicht ein Vorgänger des
 gewesen sein könnte26.

Die Ereignisse dieses siegreichen Feldzuges gegen das Sāsānidenreich ließ
Galerius in einem Perserzyklus an seinem Triumphbogen in Thessaloniki für die
Nachwelt darstellen. Nach der Deutung H.P.Laubschers werden folgende Ereignisse
des Krieges bildlich festgehalten: Schlacht zwischen Römern und Persern,
Gefangennahme des persischen Harems, Verfolgung der Perser über den Tigris
hinaus und Übergabe von Geschenken an die Römer. Besonders eindrucksvoll ist
vor allem der Empfang der persischen "Friedensgesandtschaft"27 durch Galerius, die
vermutlich hier von 28 angeführt wird: im Gestus der Unterwerfung knien
fünf persische Gesandte vor Galerius, indem sie mit erhobener rechter Hand
flehendlich um Frieden bitten. Dass hier eine ikonographisch getreue Darstellung
einzelner Personen etwa die des  oder des A angestrebt
worden sei, kann aber nicht unterstellt werden.
Das gleiche historische Ereignis ist auf der Rückseite des Bronzemedaillons von
Siscia29 in stark verkürzter Form dargestellt.


L:
Quellen:
NPi: H.Humbach/P.O.Skjaervø, The Sassanian Inscription of Paikuli. Part 1-3. Wiesbaden, Teheran
1978-1983.


25 1. Verlust von fünf Gebieten: Sophēnē, Arzanēnē, Karduēnē, Zabdikēnē und Ingilēnē. 2. Der Tigris
sollte die Grenze zwischen beiden Staaten sein. 3. Die Festung Zintha, im Grenzgebiet Mediens ge-
legen, sollte an Armenien fallen. 4. Der König von Iberien sollte von nun an die Insignien seiner Herr-
schaft von den Römern empfangen. 5. Die Stadt Nisibis sollte einziger Handelsplatz zwischen den
beiden Reichen sein. - Zu den Gebietsabtretungen s. E.Winter, On the Regulation of the Eastern
Frontier of the Roman Empire in 298 (1989) 555-571. - E.Kettenhofen, Rez. zu E.Winter, Die sāsāni-
disch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n.Chr. Frankfurt (1988). In: BiOr 47(1990)
163-178.
26 F.Justi, Iranisches Namenuch (1895) 5: unter Vorbehalt zieht Justi das mp. Adjektiv aparvand
heran in der Bedeutung von "stolz, mächtig". - M.-L.Chaumont, Chiliarque et curopalate 147: "soit un
surnom ou mieux un titre comme pahrbān (?)". - W.Felix, Antike literarische Quellen (1985) 123.
27 A.Landskron, Parther und Sasaniden. Das Bild der Orientalen in der römischen Kaiserzeit (2005)
157.
28 H.P.Laubscher, Der Reliefschmuck des Galeriusbogens in Thessaloniki (1975): Pfeiler B, I, 16; S.
48ff.
29 R.Garucci, Brass Medallion Representing the Persian Victory of Maximianus Galerius (1870) 112-
18. - Weitere bibliographische Angaben im Literaturverzeichnis.
Aphpharbān
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Zum Bronzemedaillon von Siscia: R.Garucci, Brass Medallion Representing the Persian Victory of
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von K.Regling. Textband. Dublin, Zürich 1973; Tafelband 1972. - H.P.Laubscher, ibid. (1975) 30,
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