Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Afsa
1
Vorwort Abkürzungsverzeichnis
Personenregister Orts- und Sachregister
Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches
ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.
ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen
Afsā, Schreiber [dibīr] [ŠVŠ]
B:
ŠVŠ
1
: mpI: BYRH prwrtyn ŠNT LVIII <twr-y ZY <rthštr ŠNT XL
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... MLKYN MLK< <ry<n ...<n<ry<n MNW šhr MN y<ztn ... ...nt.
Übers.
: "Im Monat Frawardīn, im Jahre 58; im Jahre 40 des Ardašīr-Feuers; im Jahre 24 des Šāpūr-
Feuers, des Königs der Feuer. Dies ist das Bild Seiner Zoroastrischen Majestät Šāpūr, des Königs
der Könige von Ērān und Anērān, dessen Herkunft von den Göttern ist, des Sohnes Seiner Zoroastri-
schen Majestät Ardašīr, des Königs der Könige von Ērān, dessen Herkunft von den Göttern ist, des
Enkels Seiner Majestät Pāpak, des Königs. Und angefertigt hat es Abasā (?), der Schreiber, der aus
der Stadt Karrhae ist, auf eigene Kosten. Und er (machte dieses Bild?) für Seine Zoroastrische Ma-
jestät Šāpūr, den König der Könige von Ērān und Anērān, dessen Herkunft von den Göttern ist. Und
als der König der Könige dieses Bild sah, da schenkte er Abasā, dem Schreiber, Gold und Silber,
Sklaven und Mädchen, einen Garten und ein Landgut".P:
Im Winter 1935/36 entdeckte R.Ghirshman in Bīšābuhr (Fārs) ein zu Ehren
→Šābuhrs I. gestiftetes Monument (Abb.1). Es bestand ursprünglich aus zwei Säu-len und einer Statue des Großkönigs; während die Bruchstücke der Säulen gefun-
den wurden, gilt die Statue dagegen als verschollen; auf einem der beiden Säulen-
schäfte ist eine Inschrift des Stifters, des Schreibers Afsā, in mittelpersischer und
parthischer Sprache eingemeißelt. Die in weiten Teilen erhaltene mittelpersische
Version besteht aus 16, die stark zerstörte parthische aus nur 12 Zeilen; diese ent-

1
Lesung und Übersetzung nach M.Back, SSI (1978) 378-83. - G.Salles/R.Ghirshman, Chapour.
Rapport préliminaire (1936) 117-22; Pl. XLIII - XLIV. - R.Ghirshman, Inscription du monument de
Châpour I
er
à Châpour (1936) 123-29; Pl. XLIV. - id., Shapur, city of kings (1939) 716-18; Fig. 5. -
O.Hansen, Epigraphische Studien. 1. Die Inschrift des *Apasāy in Sāhpūr (1938) 441-51. -
W.B.Henning, The great Inscription of Šāpūr I (1939) 825, Anm. 4; 826, Anm. 1-2. - M.Sprengling,
From Kartīr to Shahpuhr I (1940) 339. - J.M.Unvala, The ancient Persian Inscriptions of Darius I ...
and the Sassanian Pahlavi (Pārsīk) Inscriptions of Šāpūr I from Bīšāpūr...(1952) 22-25. - H.S.Nyberg,
A Manual of Pahlavi 1(1964) 124-25.
2
sprechen den 13 ersten Zeilen der mittelpersischen Version. Die Entdeckung dieser
Inschrift ist von herausragender Bedeutung, da sie aufschlußreiche Daten für die
Chronologie der ersten Sāsānidenkönige liefert.
Afsā
2
, der Stifter dieses aufwendigen Monuments, war selbstverständlich kein einfa-
cher Schreiber, sondern wird als sehr hoher königlicher Funktionär im Dienste
Šābuhrs I. gestanden haben
3
; seine soziale Stellung wie auch seine finanziellen
Mittel erlaubten es ihm, zu Ehren des Königs der Könige ein Denkmal zu setzen. Ob
diese Stiftung als Dank an Šābuhr I. oder allein als Huldigung für den siegreichen
Herrscher verstanden werden kann, geht aus der Inschrift nicht hervor. Daß Afsā
allein auf seine Kosten das Denkmal erstellen ließ, besagt die Formulierung MN
NPŠH BYT
< "von seinem Haus"
4
. Die Inschrift berichtet des weiteren von der Re-
aktion Šābuhrs I.: Nachdem er Gefallen an Afsās Stiftung gefunden hatte, beschenkt
er ihn großzügig, wie aus der Inschrift hervorgeht. Um so bemerkenswerter ist es,
daß Šābuhr I. einen solch hohen königlichen Funktionär, der offensichtlich sein Ver-
trauen besaß, nicht in seiner großen Staatsinschrift erwähnt und ihn nicht mit einem
täglichen Opfer ehrt. Afsā stammte offensichtlich - wie der Zusatz hinter seinem
Namen angibt: MN
hr<n štrystn - aus der Gegend Hr<n. Welcher Ort oder welche
Gegend sich hinter diesem Ortsnamen verbirgt, ist nicht mit Sicherheit zu klären. Ob
es sich um die bekannte, in Nordmesopotamien liegende Stadt îarrān, lat.
Carrhae, handelt
5
, ist ungewiß. îarrān lag in einem zwischen Römern und Persern
stark umkämpften Gebiet mit fließenden Grenzen.
Sowohl die Größe
6
und zentrale Aufstellung des Monuments
7
als auch der Text der
Inschrift unterstreichen den offiziellen Charakter der Maßnahme, den Afsā offenkun-
dig beabsichtigt hatte. Es handelt sich also hier vermutlich nicht um eine einfache

2
Zum Namen s. W.B.Henning, a.O.(1939) 826 Anm.2: Henning zweifelte den iranischen Ursprung
des Namens
<ps<y an. - M.Sprengling, a.O. (1940) 339: Apasay. - M.Back, SSI (1978) 381: <ps<y,
Abasā. - Ph.Gignoux, Noms propres Sassanides en moyen-perse épigraphique (1986) 41, Nr 90:
<ps<y, Afsā.
3
Zur Stellung der Schreiber innerhalb der frühen sāsānidischen Klassengesellschaft vgl. die vier
Schreiber der Šābuhr-Inschrift:
→Mard, Hauptschreiber [ŠKZ III 18] , →Hormezd, Hauptschreiber,
Sohn des Hauptschreibers Hormezd [ŠKZ IV 46], →Aštād, Schreiber [ŠKZ IV 56], und →Hormezd,
Schreiber, Sohn des Schreibers Šilag [ŠKZ paI 30].
4
Zu NPŠH s. W.B.Henning, a.O.(1939) 825 Anm. 4. - M.Sprengling, Kartīr, founder of Sasanian
Zoroastrianism (1940) 227 (KKZ, Z.15). - id., From Kartīr to Shahpuhr I (1940) 339. - Ph.Gignoux,
Glossaire (1972) 30 s.v. NPŠH, 59. - M.Back, SSI (1978) 381 (ŠVŠ); 436f. (KKZ).
5
Für die Gleichsetzung von hr<n mit îarrān sprachen sich W.B.Henning, a.O.(1939) 825f. und
M.Sprengling, From Kartīr to Shahpuhr I (1940) 339 aus; dagegen setzte R.Ghirshman, Inscription du
monument de Châpour I
er
à Châpour (1936) 128 hr<n mit Harān gleich; s. auch O.Hansen mit eini-
gen Hinweisen in: Epigraphische Studien (1938) 445: nach al-Muqaddasī lag ein Dorf gleichen Na-
mens in der Provinz
I§fahān. - P.Schwarz, Iran im Mittelalter. Bd 1-8. Leipzig 1896-1935. - Repr.
Hildesheim (1969) 657, Anm. 11 und 647, Anm. 8: Harān ist vielleicht nur eine Nebenform des von
Yāqūt genannten Herend.
6
G.Salles/R.Ghirshman, Chapour. Rapport préliminaire (1936) 120ff; Fig. 3; Pl. XLII a,b.
7
R.Ghirshman, Bîchâpour 1(1971) 18.
8
R.Altheim-Stiehl, Das früheste Datum der sasanidischen Geschichte (1978) 113-16. - ead., Die
Zeitangaben der mittelpersischen Dipinti in der einstigen Synagoge zu Dura-Europos (1982) 152-59.
- s. auch W.Sundermann, Shapur"s Coronation. The Evidence of the Cologne Mani Codex (1990)
295-99. - L.Richter-Bernburg, Mani"s Dodecads and Sasanian chronology (1993) 71-80.
3
Schenkung an den Großkönig, sondern um ein offizielles Denkmal für Šābuhr I., den
Gründer der Stadt Bīšābuhr. Daher darf auch die vollständige Titulatur Šābuhrs I.
und seiner beiden Amtsvorgänger, des Königs der Könige →Ardašīrs I.[ŠKZ I 8]
und des Königs →Pābag [ŠKZ I 6] nicht fehlen. Weiterhin erwähnt Afsā in einer
dreifachen Datierung den genauen Zeitpunkt, an dem er das Denkmal errichten ließ:
es war im Monat Frawardīn, im 58. Jahre (einer ungenannten Ära), im 40. Jahr des
Ardašīr-Feuers und im 24. Jahr des Šābuhr-Feuers, des Königs der Feuer. Wie R.
Altheim-Stiehl
8
überzeugend dargelegt hat, befinden wir uns damit im Zeitraum zwi-
schen dem 17.9. - 16.10. des Jahres 262 n.Chr.
8a
Es stellt sich nun die Frage, in welcher Beziehung der hohe Beamte Afsā zu den
beiden in der Inschrift erwähnten Städten, Hr<n und Bīšābuhr stand. War Afsā als
ehemaliger Bewohner Hr
<ns im Jahre 262 n. Chr. in Bīšābuhr im Dienste des Groß-
königs tätig oder wählte er diese Stadt nur aus, um Šābuhr I. in seiner Stadt ein
Denkmal zu setzen? Der Ausgräber von Bīšābuhr, R. Ghirshman, hält Afsā für den
"Gouverneur" der Stadt
9
; nach seiner Meinung sollte das Denkmal als Erinnerung an
den Besuch des Großkönigs in der von ihm gegründeten Stadt dienen
10
. Allerdings
sind keine Hinweise für eine solche Schlußforderung erkennbar.
L:
Quellen:
G.Salles/R.Ghirshman, Chapour. Rapport préliminaire de la première campagne de fouilles (au-
tomne 1935 - printemps 1936). In: RAA 10(1936) 117-22; Pl. XLIII - XLIV [Ausgrabungsbericht]. -
R.Ghirshman, Inscription du monument de Châpour I
er
à Châpour. In: RAA 10(1936) 123-29; Pl.
XLIV [Erstveröffentlichung. Foto, Transkription, Übersetzung und Kommentar]. - id., Shapur, city of
kings. In: Asia 39(1939) 716-18; Fig. 5. - O.Hansen, Epigraphische Studien. 1. Die Inschrift des
*Apasāy in Sāhpūr. In: ZDMG 92(1938) 441-51 [Überarbeitung, Transliteration, Transkription und
Übersetzung]. - W.B.Henning, The great Inscription of Šāpūr I. In: BSOS 9(1939) 823-49 [Einzelne
Verbesserungen]. - Ebenf. abgedr. in: Selected Papers. Leiden, Téhéran 1(1977) 601-27.(AcIr.14.) -
M.Sprengling, From Kartīr to Shahpuhr I. In: AJSLL 57(1940) 330-40 [Verbesserungen]. -
J.M.Unvala, The ancient Persian Inscriptions of Darius I ... and the Sassanian Pahlavi (Pārsīk) in-
scriptions of Šāpūr I from Bīšāpūr and Hā
Ôīābād in Fārs. Bombay (1952) 22-25. - H.S.Nyberg, A
Manual of Pahlavi. Wiesbaden 1(1964)124-25. - M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften. Lei-
den, Téhéran 1978.(AcIr.18.)
Namen/Person:
W.B.Henning, The great Inscription of Šāpūr I. s.o. - M.Sprengling, Kartīr, founder of Sasanian Zo-
roastrianism. In: AJSLL 57(1940) 197-228. - id., From Kartīr to Shahpuhr I. s.o. - R.Ghirshman, Iran
- Parther und Sassaniden. München (1962) 151. - id., Bîchâpour. Avec la collaboration de
T.Ghirshman et A.Hardy. Paris 1(1971) 10. (Musée du Louvre, Dép. des Antiquités Orientales, série
achéologique. VI. Fouilles de Châpour.). - M.Back, s.o. - Ph.Gignoux, Glossaire des inscriptions
Pehlevies et Parthes. London 1972. (CII, supplementary series.1.) - id., Noms propres Sassanides
en moyen-perse épigraphique. Wien 1986. (IPNB II,2.) - E.J.Keall, Bīšāpūr. In: EncIr IV(1990) 287-
89.
Chronologie:
R.Altheim-Stiehl, Das früheste Datum der sasanidischen Geschichte, vermittelt durch die Zeitan-
gabe der mittelpersisch-parthischen Inschrift aus Bīšāpūr. In: AMI N.F. 11(1978)113-16. - ead., Die
Zeitangaben der mittelpersischen Dipinti in der einstigen Synagoge zu Dura-Europos. In: Boreas
5(1982) 152-59. - W.Sundermann, Shapur"s Coronation. The Evidence of the Cologne Mani Codex

8a
Darüberhinaus gelang es R.Altheim-Stiehl, aus dieser Inschrift das exakte Datum des Beginns der
sāsānidischen Ära zu ermitteln.
9
R.Ghirshman, Iran - Parther und Sassaniden (1962) 151. - id., Bîchâpour 1(1971)10.
10
Dieser Meinung schloß sich auch E.J.Keall an: Bīšāpūr. In: EncIr IV(1990) 287-89.
4
reconsidered and compared with other texts. In: BAI n.s. 4(1990) 295-99. - L.Richter-Bernburg,
Mani"s Dodecads and Sasanian chronology. In: ZPE 95(1993) 71-80.
Monument für Šābuhr I. in Bīšābuhr. Foto: M.Alram
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5
Aus: M.Alram/R.Gyselen, Ardashir I. - Shapur I. Wien (2003) Taf. 48, Abb. 14.(Sylloge Nummorum
Sasanidarum Paris - Berlin - Wien.I.)(Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissen-
schaften, phil.-hist. Kl.317.)(Veröffentlichungen der Numismatischen Kommission.41.)