Bitte nutzen Sie zum Drucken den Knopf rechts in der Symbolleiste direkt oberhalb des Dokuments. Die Druckfunktion Ihres Browsers liefert ansonsten leider keinen korrekten Ausdruck.
Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Abursam_Shabuhrs_Palastwache Abursām, Sohn des Šābuhr, Befehlshaber
© 14.11.2019 C Seite 1/2

Vorwort Abkürzungsverzeichnis Personenregister Orts- und Sachregister

Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches

NPi I: Introduction NPi II a: Main part a NPi II b: Main part b NPi III: Conclusion

ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.

ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen


Abursām, Sohn des Šābuhr,
des Befehlshabers der Palastwache*
[ŠKZ IV 42]


B:
ŠKZ: mpI 33: 'pwrs'n ZY šhpwhry ZY dlyk'n srd'r = Abursām ī Šābuhr ī darīgān sālār; paI 27:
'pwrs'm šhypwhr drykn s'rr = Abursām Šābuhr darīgān sārār; grI 65:
    <> Übers.: mp. und pa. Abursām, den Sohn des Šābuhr,
des Befehlshabers der Palastwache; gr. Abursām-Šābuhr, den Befehlshaber der Palastwache.


P:
Abursāms Namensansetzung neben der Kombination mit zwei Genitivkonstruktionen
hat in der wissenschaftlichen Diskussion zu unterschiedlichen Schlußfolgerungen
geführt1: mp. Abursān2 ī Šābuhr ī darīgān sālār; pa. Abursām Šābuhr darīgān sārār;
gr.     <> Es stellt sich die Frage, wie die
beiden Genitivbildungen hinter dem Namen Abursām zu deuten sind.
Nach Ph.Huyse kann es sich bei dem Namen Šābuhr kaum um einen Ehrennamen
handeln; Ph.Huyse hält es für unwahrscheinlich, "dass der bloße Name des Königs,
d.h. ohne jegliche zusätzliche Erweiterung bereits zu seinen Lebzeiten als Ehren-
name von irgendeinem Würdenträger an seinem Hof geführt werden konnte"3. Nach
dem Vorbild der griechischen Version der Inschrift, die die beiden Namens-
bestandteile zu  verknüpft, wurde dieses Namenskompositum von
einigen Wissenschaftlern für den Eigennamen dieses Würdenträgers gehalten. Dass
der griechische Schreiber der Inschrift sich zu diesem Schritt veranlasst fühlte, lag
wohl daran, dass er die parthische Version, die ohne sichtbaren Genitivbezug aus-
kommt, als Vorlage benutzt hat. Ph.Gignoux4 kam dagegen zu dem Schluß, dass es
sich bei der Genitivkonstruktion Abursān ZY Šābuhr um einen patronymischen Bezug
handeln muss: Abursām, fils de Šābuhr, chef des serviteurs de la Cour5. Nach
===
* 2008. - Überarb. 2019.
1 Zur ausführlichen Diskussion s. Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 168f., die hier des besseren Verständnisses
wegen kurz referiert wird.
2 Zu den unterschiedlichen Endungen des Namens mp. auf -n und pa. auf -m s. Ph.Huyse, ŠKZ
2(1999) 137 = § 42,9.
3 s. Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 168: wie z.B. bei →Pā(k)čihr ī Tahm-Šābuhr [ŠKZ IV 21], →Wohnām ī
Šābuhr-Šnōm [ŠKZ IV 24] und →Pābīg ī Pērōz-Šābuhr [ŠKZ IV 29].
4 Les noms propres en moyen-perse épigraphique. In: Pad nām i yazdān: Études d'épigraphie, de
numismatique et d'histoire de l'Iran ancien (1979) 55f. - id., Noms propres sassanides en moyen-
perse épigraphique (1986) 27, Nr. 14. - R.Schmitt, Personennamen in parthischen epigraphischen
Quellen (2016) 41-42, Nr. 31.(Iranisches Personennamenbuch.II,5.) - I.Colditz, Iranische Personen-
namen in manichäischer Überlieferung (2018) 180-182, Nr. 20.(Iranisches Personennamenbuch.II,1.),
5 Zur Erklärung dieses Titels s. Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 169.
Abursām, Sohn des Šābuhr, Befehlshaber
© 14.11.2019 C Seite 2/2
Ph.Huyse ließ er jedoch außer Acht, dass der angehängte Titel "chef des serviteurs
de la Cour" sich als Genitivverbindung nur auf Šābuhr und nicht auf Abursām
beziehen kann, da eine solche Konstruktion nicht belegt ist.
Die Lösung des Problems wird letztlich D.N.MacKenzie6 verdankt, der den im Genitiv
angehängten Titel nicht Abursām, sondern Šābuhr zuordnete: Abursām, Sohn des
Šābuhr, des darīgān sālār, des Befehlshabers der Palastwache.
Trotz des Patronymikons bleiben die persönlichen Umstände Abursāms im Unge-
wissen. Da Abursām sich selbst weder durch einen Ehrennamen noch einen Titel
auszeichnet, ist zu fragen, ob seine Plazierung auf dem 42. Rang innerhalb von 67
Würdenträgern im Hofstaat →Šābuhrs I. sich allein durch die Stellung seines Vaters
erklären läßt. Jedoch ist davon auszugehen, dass Šābuhr I. Abursām aus nicht fest-
stellbarem Grund einen Platz im 2. Drittel der protokollarischen Rangordnung an
seinem Hof zugewiesen hat.


L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften [SSI]. Leiden, Téhéran 1978. (Acta Iranica.18.) -
Ph.Huyse, Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Kaʻba-i Zardušt (ŠKZ). Bd 1-2. London 1999.
(Corpus Inscriptionum Iranicarum.P. III, 1,1, 1-2.)

Name:
F.Justi, Iranisches Namenbuch. Marburg (1895) 1. - Repr. Hildesheim 1963. - M.Back, SSI (1978)
187, Nr. 35. - Ph.Gignoux, Glossaire des inscriptions pehlevies et parthes (1972) 17: mpI ʼpwrsʼn; 46:
paI ʼpwrsʼm. - id., Les noms propres en moyen-perse épigraphique. In: Pad nām i yazdān. Études
d'épigraphie, de numismatique et d'histoire de l'Iran ancien, par Ph.Gignoux et R.Curiel, R.Gyselen,
Cl.Herrenschmidt. Paris (1979) 35-100; hier: 55f.(Travaux de l'Institut d'Études Iraniennes de
l'Université de la Sorbonne Nouvelle.9.) - id., Noms propres sassanides en moyen-perse épigra-
phique. Wien (1986) 27, Nr. 14.(Iranisches Personennamenbuch.II,2.) - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 137.
- R.Schmitt, Personennamen in parthischen epigraphischen Quellen. Wien (2016) 41-42, Nr.
31.(Iranisches Personennamenbuch.II,5.)(Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 881.)(Iranische Onomastk.15.) - I.Colditz, Iranische Personennamen in
manichäischer Überlieferung. Wien (2018) 180-182, Nr. 20.(Iranisches Personennamenbuch.II.1.)
(Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 889.)(Iranische
Onomastik.16.).
===
6 Mündlicher Hinweis D.N.MacKenzies an Ph.Huyse.