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Ursula Weber: Prosopographie des Sāsānidenreiches im 3. Jahrhundert n. Chr.
Abursam_Ardasir-Farr Abursām 'Ardašīr-Farr'
© 25.11.2019 C Seite 1/3

Vorwort Abkürzungsverzeichnis Personenregister Orts- und Sachregister

Griechisches Wörterverzeichnis Karte des Sāsānidenreiches

NPi I: Introduction NPi II a: Main part a NPi II b: Main part b NPi III: Conclusion

ŠKZ I: Genealogie ŠKZ II: Hofstaat Pābags ŠKZ III: Hofstaat Ardašīrs I.

ŠKZ IV: Hofstaat Šābuhrs I. ŠKZ V: Frauen


Abursām 'Ardašīr-Farr'*
[ŠKZ III 15]


B:
ŠKZ: mpI 29: 'pwrs'n ZY 'rthštrprry = Abursān ī Ardašīr-Farr; paI 24 'pwrs'm 'rthštrpry = Abursām
Ardašīr-Farr; grI 57    Übers.: mp. und pa. Abursām (mit dem Beinamen)
'Ardašīr-Farr' ('Ardašīrs Glücksglanz'); gr. Abursām, (genannt) Ardašīr-Farr ('Ardašīrs Glücksglanz').

P:
In der Šābuhr-Inschrift nimmt Abursām1 'Ardašīr-Farr' den 15. Rang unter den 31
Würdenträgern im Hofstaat →Ardašīrs I. ein. Ihm vorangestellt sind vier Könige und
drei Frauen der königlichen Familie, Großmutter und Mutter Ardašīrs I., und die Kö-
nigin der Königinnen, Tochter König →Pābags und gleichzeitig Schwester Ardašīrs I.
Es schließen sich an der bidexš (Vizekönig), der hazāruft (Chiliarch) und fünf
Vertreter der ersten Familien des Reiches. Danach folgen die Amtsinhaber von
hohen Positionen im Heer, in der Verwaltung und in der Organisation des Hofes.
Abursāms Stellung bei Hofe, noch vor den Vertretern der ersten Adelsfamilien,
erklärt sich durch sein Epitheton2 'Ardašīr-Farr', das übersetzt soviel wie 'Ardašīrs
Glücksglanz'3 bedeutet. Die Verleihung von Ehrentiteln, die sich im Iran bis in die
achaimenidische Zeit4 zurückverfolgen lässt, war ein bewährter Brauch des Königs,
herausragende Leistungen der Untertanen zu belohnen. In der Šābuhr-Inschrift
lassen sich insgesamt sieben Persönlichkeiten nachweisen, die auf diese Weise
geehrt wurden; sie verteilen sich ungleich auf den Hofstaat der ersten drei
Sāsānidenkönige. Während sich im Hofstaat König Pābags kein Träger eines Eh-
rentitels findet, taucht am Königshof Ardašīrs I. mit Abursām 'Ardašīr-Farr erstmals

* 2008. - Überarb. 2019.
1 F.Justi, Iranisches Namenbuch. Marburg (1895) 1. - Repr. Hildesheim 1963. - Ph.Gignoux,
Glossaire des inscriptions pehlevies et parthes (1972) 17 ('pwrs'n); 46 ('pwrs'm); 17 ('rtḥštrprry); 46
('rtḥštrpry).(Corpus Inscriptionum Iranicarum. Supplementary Series.I.) - M.Back, SSI (1978) 187, Nr.
35; 245, Nr. 255. - Ph.Gignoux, Les noms propres sassanides en moyen-perse épigraphique (1986)
27, Nr. 14; 46, Nr. 127. (Iranisches Personennamenbuch.II,2.) - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 137, § 42.9 -
R.Schmitt, Personennamen in parthischen epigraphischen Quellen. Wien (2016) 41-42, Nr.
31.(Iranisches Personennamenbuch.II,5 - I.Colditz, Iranische Personennamen in manichäischer
Überlieferung. Wien (2018) 180-182, Nr. 20.(Iranisches Personennamenbuch.II.1.)
2 Zu den Ehrentiteln s. A Christensen, L'Iran sous les Sassanides (21944) 409ff. - A.Maricq, Res
gestae Divi Saporis. In: Syria 35(1958) 322; 324 Anm. 1-2.
3 Gh.Gnoli, Farr(ah). In: Encyclopaedia Iranica IX(1999) 312-319.
4 U.Weber/J.Wiesehöfer, Das Reich der Achaimeniden. Eine Bibliographie. Berlin (1996) Nr. 9010-
9010a; 9027.(AMI. Erg.Bd 15.).
Abursām 'Ardašīr-Farr'
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ein Würdenträger mit einer solchen Auszeichnung auf. →Šābuhr I. dagegen pflegte
die Vergabe von Ehrentiteln an verdienstvolle Würdenträger großzügiger zu hand-
haben: nach Aussage seiner Inschrift zeichnete er sechs5 Männer mit einem
Ehrentitel aus.
Aus welchen Gründen, für welche Verdienste, eine derartige Einstufung erfolgte,
lässt sich nach heutigem Erkenntnisstand nicht nachvollziehen. Ausschlaggebend
für das Protokoll könnte in der Wertigkeit der Ehrentitel oder im sozialen Rang der
Würdenträger zu suchen sein. Die Ehrentitel sind in der Regel Zusammensetzungen
mit den Namen der Großkönige, die ihn verliehen haben6. Dies bewahrheitet sich
bei sieben der acht zitierten Ehrentitel. Die einzige Ausnahme ist in diesem Falle
Ardašīr 'Ardašīr-Šnōm' [ŠKZ IV 20], der zum Hofstaat Šābuhrs I. gehört. Dabei ist
nicht auszuschließen, dass dieser Würdenträger die Auszeichnung von Ardašīr I.
erhielt und in den Hofstaat seines Nachfolgers übernommen wurde.
Der kurze Hinweis auf den Ehrentitel Abursāms in der Šābuhr-Inschrift erlaubt je-
doch keine weiteren Schlüsse auf seinen Tätigkeitsbereich7 am Königshofe oder auf
den Grund für seine Auszeichnung.
Eine Identifizierung des Abursām 'Ardašīr-Farr' mit dem bei Ṭabarī8 und Ibn al-Atīr
erwähnten wuzurg framādār, die von P.O.Skjaervø9 in Erwägung gezogen und von
E.Yarshater10 angenommen wurde, dürfte aber allzu spekulativ sein.
Festzuhalten ist, dass im Hofstaat Ardašīrs I. kein framādār vertreten ist. Hinzu
kommt, dass der Titel eines wuzurg framādār erst gegen Anfang des 5. Jahr-
hunderts bekannt wurde.


L:
Quellen:
ŠKZ: M.Back, Die sassanidischen Staatsinschriften (SSI). Leiden, Téhéran 1978. (Acta Iranica.18.) -
Ph.Huyse, Die dreisprachige Inschrift Šābuhrs I. an der Kaʻba-i Zardušt (ŠKZ). Bd 1-2. London
1999.(Corpus Inscriptionum Iranicarum, Part III, 1,1,1-2).

Namen:
F.Justi, Iranisches Namenbuch. Marburg (1895) 1. - Repr. Hildesheim 1963. - M.Back, SSI (1978)
187, Nr. 35; 245, Nr. 255. - Ph.Gignoux, Glossaire des inscriptions pehlevies et parthes. London
(1972) 17 ('pwrs'n); 46 ('pwrs'm); 17 ('rtḥštrprry); 46 ('rtḥštrpry).(Corpus Inscriptionum Iranicarum.
Supplementary Series.I.) - E.Yarshater, Abarsām. In: Encyclopaedia Iranica I,1(1982) 67-68. - Last
Updated: July 13, 2011. - http://www.iranicaonline.org/articles/abarsam (accessed on 10 January
2014. - Ph.Gignoux, Noms propres sassanides en moyen-perse épigraphique. Wien (1986) 27, Nr.
14; 46, Nr. 127. (Iranisches Personennamenbuch.II,2.) - Ph.Huyse, ŠKZ 2(1999) 137, § 42.9. -
R.Schmitt, Personennamen in parthischen epigraphischen Quellen. Wien (2016) 41-42, Nr.

5 Im Hofstaat Ardašīrs I.: Abursām 'Ardašīr-Farr'; im Hofstaat Šābuhrs I.: *Sridōy 'Šāhmust' [ŠKZ IV
19]; Ardašīr 'Ardašīr-Šnōm' [ŠKZ IV 20]; Pāčihr 'Tahm-Šābuhr' [ŠKZ IV 21]; Čašmag 'Nēw-Šābuhr'
[ŠKZ IV 23]; Wohnām 'Šābuhr- Šnōm' [ŠKZ IV 24]; Razmjōy (nur in paI und grI) mit *Pābič 'Pērōz-
Šābuhr [ŠKZ IV 29].
6 s. Anm. 3.
7 Eine andere Interpretation des Epithetons 'Ardašīr-Farr' schlägt E.Yarshater vor [Abarsām. In: EncIr
I,1(1982) 67-68.]. Er vertritt die Meinung, dass es sich bei diesem Epitheton um den Namen einer
Stadt, um Abursāms Geburtsort oder Regierungssitz handeln könnte.
8 Ṭabarī 816,12; 818,5-8; 27-30; - Th.Nöldke, Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der
Sasaniden (1879) 9 und Anm. 2; 12; 26-30. - C.E.Bosworth, The History of al-Ṭabarī (1999), 9; 12;
24 (Anm. 85) - 27.
9 P.O.Skjaervø, NPi 3.2(1983) 39 mit Anm. 18.
10 s. Anm. 6.
Abursām 'Ardašīr-Farr'
© 25.11.2019 C Seite 3/3
31.(Iranisches Personennamenbuch.II,5.)(Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 881.)(Iranische Onomastik.15.) - I.Colditz, Iranische Personennamen
in manichäischer Überlieferung. Wien (2018) 180-182, Nr. 20.(Iranisches Personennamenbuch.II.1.)
(Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 889.)(Iranische
Onomastik.16.)

Ehrentitel:
A.Christensen, L'Iran sous les Sassanides. Copenhague (21944) 409f. - Repr. Osnabrück 1971. -
M.Sprengling, Shahpuhr I, the Great on the Kaabah of Zoroaster(KZ). In: American Journal of
Semitic Languages and Literatures 57(1940) 404 (15). - id., Third Century Iran. Sapor and Kartir.
Chicago (1953) 32. - A.Maricq, Res Gestae Divi Saporis. In: Syria 35(1958) 324 Anm. 2; 322; 324
Anm. 1. - Ebenf. abgedr. in: Classica et Orientalia. Paris (1965) 66 Anm. 2; 70. (Institut Français
d'Archéologie de Beyrouth. Publication hors série.11.) - M.-L.Chaumont, L'ordre des préséances à
la cour des Arsacides d'Arménie. In: Journal Asiatique 254(1966[1967]) 489, Nr. 15 und Anm. 132. -
Ph.Gignoux, L'apport de l'onomastique sassanide à la philologie iranienne. In: Linguistica e filologia.
Atti del VII Convegno Internazionale di linguistici. Milano 1984. Brescia (1987) 291-300; hier 299f. -
Gh.Gnoli, Farr(ah). In: Encyclopaedia Iranica IX(1999) 312-319.